Im neuen Gebäude des DDR Außenwirtschaftsministeriums in Berlin Unter den Linden ist man eine große Sorge los. Es war schwierig geworden, die 1966 und 1967 entstandene Verschuldung gegenüber der Bundesrepublik termingerecht abzubauen. Jetzt ist die DDR aus dem Schneider; das Geld für die Rückzahlung der Kredite liefert — unfreiwillig — der Kreditgeber.

Auf 75 Millionen Mark jährlich werden allein die zusätzlichen Einnahmen Ostberlins aus dem Berlin Verkehr geschätzt. Sie stammen zu etwa gleichen Teilen aus den Visagebühren und aus der Transportsteuer, die vom DDRFinanzministerium als "Steuerausgleichsabgabe" bezeichnet wird.

Rund 5 1 Millionen Tonnen Güter haben 1967 die Lastkraftwagen zwischen Westberlin und der Bundesrepublik transportiert. Das waren 40 7 Prozent des gesamten Güterverkehrs der Stadt mit dem Westen. Die neue Transportsteuer beträgt 3 Pfennig je Tonne und Kilometer, bei "gefährlichen" Gütern wie beispielsweise Kraftstoffen sogar 4 Pfennig. Aus dem Lkw Verkehr dürften schätzungsweise 32 Millionen Mark in die DDR Kassen fließen.

Weitere zwei bis drei Millionen wird der Omnibusverkehr bringen (0 8 Pfennig je Person und Kilometer). Die gleiche Abgabensumme wird die Binnenschiffahrt pro Jahr erreichen. Von ihr fordert man 35 Pfennig je Tonne auf dem Mitteilandkanal sowie 70 Pfennig auf den anderen Wasserstraßen. Bei "gefährlichen" Gütern sollen es 45 Pfennig beziehungsweise 90 Pfennig sein.

Doch die vom Ostberliner Finanzministerium angebohrte Quelle sprudelt noch kräftiger. Es werden auch Visagebühren von jedem Besucher Mitteldeutschlands kassiert. Zusätzlich wurde der Zwangsgeldumtausch erhöht. Diese als "verbindlicher Mindestumtausch" bezeichneten Tarife betragen jetzt zehn Mark je Kopf und Tag bei einem Aufenthalt in der DDR sowie fünf Mark für jeden Besuchstag in Ostberlin. Zum ersten Male wird Westdeutschen und Westberlinern das gleiche Eintrittsgeld abverlangt — eine Gleichstellung, die den SED Politikern bisher unerwünscht war. Die Besucher werden vermutlich mehr harte Devisen bringen als die neue Belastung des Berlin Verkehrs. Rund 1 4 Millionen Bundesbürger sind 1967 in die DDR gereist. Bei 15 Mark Visumkosten ergibt das immerhin 21 Millionen Mark. Wenn die durchschnittliche Aufenthaltsdauer nur fünf Tage ausmacht, sind aus dem Zwangsumtausch schon weitere 35 Millionen zusätzlich zu erwarten.

Alles in allem werden dem BerlinVerkehr und den DDR Besuchern also schätzungsweise jährlich 131 Millionen Mark mehr aus der Tasche gezogen als bisher. Damit lassen sich die Jahresraten der westdeutschen Kredite leicht bezahlen. Möglicherweise wird die DDR das Geld jedoch anderweitig ausgeben und ihre Schulden durch eine Verringerung der Neubestellungen in der Bundesrepublik abbauen bds