Das andere Geschlecht wird ignoriert – Der „Heilige“ als „allmächtiger Detektiv“

Von Robert Lucas

Als ich acht Jahre alt war, wollte ich Jockey werden. Wer mich kennt, dürfte wissen, daß ich eher ein Pferd hätte werden können als ein Jockey. Aber das tut nichts zur Sache. Jedenfalls hätte ich damals die Demoskopie in Verwirrung gestürzt, wenn mich eine reizende Meinungsbefragerin mit gezücktem Bleistift gefragt hätte:

„Nun, Kleiner, wer ist dein Idol?“

„Knackfuß!“ hätte ich ohne Zögern geantwortet.

Heute kann ich es ja gestehen: Ich hatte Knackfuß nie gesehen. Ein anderer Junge in meiner Klasse hatte mir von ihm erzählt. Er hatte mir in unerhört dramatischer Weise beschrieben, wie sein Vater auf ein Pferd gewettet hatte, das Knackfuß ritt. Knackfuß, der Glorreiche, schlug alle Rivalen. Seither träumte ich cavon, ein zweiter Knackfuß zu werden.

Nun ja, damals gab es noch keine Demoskopie in Europa. In Amerika jedoch hatte schon etliche Jahre vorher, nämlich 1902, ein gewisser Earl Barnes eine Befragung angestellt, um herauszubekommen, welche Art von Persönlichkeiten Kinder im Alter von sieben bis fünfzehn Jahren als ihre Idole betrachten. 1925 machte eine englische Psychologin, Frau Dr. R. Macauley, eine ähnliche Studie. Ein Londoner Psychiater, Dr. S. Benaim, hat nun das Experiment wiederholt und die Ergebnisse unlängst mit den Resultaten der Erhebungen vor 63 und 40 Jahren verglichen.