Die Untersuchung wurde so spät bekannt, weil Dr. Benaim offenbar wenig Sinn für Aktualität hat; er ließ die Ergebnisse zunächst in seiner Schreibtischlade liegen – mit der Absicht, sie in ein größeres Werk einzufügen, an dem er gemächlich arbeitet.

Die Voraussetzungen für den Vergleich waren natürlich nicht gleich. Die Verhältnisse in Amerika stimmten auch 1902 nicht mit jenen in England überein. Frau Dr. Macauleys Untersuchung stützte sich auf die Aussagen von 1600 Jungen und Mädchen im Alter von sieben bis fünfzehn Jahren. Dr. Benaim wiederum beschränkte seine Befragung auf 284 Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren, die einer bestimmten Londoner Koedukationsschule angehören.

Allerdings war diese Schule für den Zweck besonders geeignet, da ihre Kinder – unter ihnen Söhne und Töchter ebenso von Arbeitern wie von Ministern – einen nahezu typischen Querschnitt durch die jugendliche Bevölkerung darstellen. Aber diese Vorbehalte sind nur von geringer Bedeutung: Der Vergleich, den Benaim anstellen konnte, enthüllt eine so klare Entwicklungstendenz, daß kleine statistische Schwankungen nach oben oder unten ihren Wert nicht beeinträchtigen können.

Verwandte entthront

Die entscheidende Frage, die in allen drei Fällen an die Kinder gerichtet wurde – wiewohl ihre Formulierung nicht immer die gleiche war –, lautete ungefähr: "Welche Persönlichkeit betrachtest du als eine ideale Gestalt, mit der du dich identifizieren möchtest?" 1902 erklärten dreißig Prozent der Jungen, eine Person aus ihrer Umgebung sei ihr Idol: Vater oder Mutter, ein anderer Verwandter, ein Freund oder Nachbar. 1925 waren es nur noch zwanzig Prozent. 1965 war der Anteil auf sechs Prozent zusammengeschrumpft: Die Gestalt aus dem Bekanntenkreis hatte ihre magische Attraktion verloren.

Bei den Mädchen war derselbe Trend festzustellen, wenn auch nicht im gleichen Grade. Hier sind die Vergleichszahlen, übersichtlich zusammengestellt:

Personen aus dem Bekanntenkreis stellten 1925 eindeutig die größte Gruppe der Kindheitsheroen, dann folgten die fiktiven Helden der Kinderbücher, prominente historische Gestalten – Kriegs- und Seehelden, Entdecker – und schließlich religiöse Gestalten, Monarchen und Millionäre.