Fast hat es den Anschein, als ob die kleinen Mädchen aufgehört hätten, für Männer zu schwärmen. 1902 bezeichneten noch 45 Prozent der elfjährigen Mädchen einen Mann als ihr Idol; 1925 noch 20 Prozent – und 1965 kein einziges. Unter den Jungen führte 1902 eine kleine Anzahl eine Frau als ihr Ideal an – der Anteil schwankte je nach der Altersgruppe zwischen drei und zwölf Prozent –, bei der letzten Befragung ignorierten sie einfach das andere Geschlecht.

Offenbar sind sich die Kinder unserer seximprägnierten Zeit viel früher der petite difference bewußt. So identifizieren sich auch die pop fans unter den Kindern mit Stars ihres eigenen Geschlechts: Die Mädchen möchten wie Cilla Black sein oder wie Sandy Shaw oder Dusty Springfield, und die Jungen wie Cliff Richard, Mick Jagger oder die Beatles. Der Höhepunkt der Pop-Star-Verehrung wird bei den Mädchen mit acht Jahren erreicht und bei den Jungen – die der Psychose nicht im gleichen Maße zum Opfer fallen – mit neun.

Umgekehrt verfallen offensichtlich die Jungen stärker dem Charisma fiktiver TV-Helden, der Faszination der Heroen der Wildwestprogramme, der großen Detektive und men of action, mit denen die Flimmerkiste ihren Sinn fürs Abenteuer anfeuert. Zehn Prozent bezeichneten die Detektivgestalt des "Saint" (Heiligen) als ihr Idol. In die Rubrik des Fragebogens, in der die Kinder Gründe für ihre besondere Wahl anzugeben hatten, schrieben sie: "weil der Saint allmächtig ist" oder "weil er Wunder vollbringt" oder auch "weil er unversehrt aus allen Gefahren hervorgeht". Und das ist sehr merkwürdig; denn 1925 hatten die Kinder von damals mit derselben Begründung Christus als ihr Idol bezeichnet.

Können wir aus dieser Befragung irgendwelche Schlüsse auf die Zukunft der Kinder ziehen? Mit anderen Worten: ist das Bekenntnis zu einem bestimmten Idol ein Hinweis auf den künftigen Lebensweg oder Beruf eines Jungen oder Mädchens? Vermutlich ist diese Frage nie untersucht worden. Ich weiß nicht, von welchem Idol Napoleon träumte, als er neun Jahre alt war, oder Einstein. Aber ich vermute, daß die Jungen, die den Namen Churchill oder Mick Jagger auf den Fragebogen setzten, einmal wackere Buchsachverständige, Gemüsehändler oder Elektriker sein werden. Ich bin ja schließlich auch kein Jockey geworden.