Nationale Gefühle, wie man weiß, werden von fortschrittlich denkenden Europäern nicht so gern gesehen. Aber wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, hält man es lieber mit der Vergangenheit. Automobilmärkte machen in dieser Beziehung keine Ausnahmen.

Auf den alljährlichen Testveranstaltungen der Autosalons von Paris und London dürfen die eingeladenen Fachjournalisten nur einheimische Provenienz bewundern. Das paßt zwar schlecht zu dem Charakter einer internationalen Autoschau, läßt sich aber gut damit entschuldigen, daß es aus organisatorischen Gründen unmöglich ist, die gesamte internationale Autoparade für einen Probegalopp aufmarschieren zu lassen.

Diese Entschuldigung hörte man auch während der Frankfurter Autoausstellung im letzten Herbst, und so mußten sich auch hier die ausländischen Journalisten mit einer nationalen Darbietung, veranstaltet vom Motor-Presse-Club, begnügen. Die in Deutschland gut vertretenen Automobilimporteure ließ das freilich nicht ruhen, und man einigte sich post festum zu einem Testtag der Importeure, wie der nationale auf der Hockenheim-Rennstrecke, unweit Heidelberg.

Weil nun das Frankfurter Autoschaufenster nur alle zwei Jahre geöffnet wird, hatte man gleich für die Zukunft ein passendes Ritual festgelegt: In ungeraden Jahren – wenn in Frankfurt ausgestellt wird – ein Testtag für die einheimische Ware und in den darauffolgenden Jahren ein gleicher Tag für die Importen.

So sah denn kürzlich der Hockenheimring, sonst gemieteter Treffpunkt der Motorsportler und Industrieversuchsleute, die wichtigsten Angreifer auf den deutschen Automarkt.

Wer von den schon erwähnten nationalen Gefühlen nicht übermäßig gequält wird, wie der Chronist, dem lief das Wasser im Munde zusammen. Was sollte man zuerst besteigen? Einen englischen Jensen Interceptor, powered by Chrysler (330 SAE-PS, 215 km/h), oder einen Honda N 600? Einen Jaguar Mk 420 oder einen Ford Lincoln Continental?

Ich entschied mich für einen Renault 16 TS, weil Renault bei uns über eine ausreichende Zahl von Werkstätten verfügt – etwa in der gleichen Größenordnung wie BMW und zahlreicher vertreten als Daimler-Benz – und weil man deswegen ein solches Auto weiterempfehlen kann. Denn Autos werden komplizierter und damit nicht zuverlässiger.