Von Matthias Becker

Der emeritierte Professor für Religionswissenschaften in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, Anton Antweiler, gewann von seinen Studenten späten Respekt. Lange mußte er sich mit einem theologischen Nebenfach begnügen, so daß die Theologen ihn – wie seinen Wissenschaftsbereich – als Randerscheinung des weitverzweigten Studiums betrachteten.

Doch dann wandte sich Antweiler den Theologen selbst zu. Er beschäftigte sich intensiv mit der Aktualität gegenwärtiger Theologenausbildung, lernte dabei die kirchliche Praxis der Klerikererziehung noch mehr kennen und machte sich schließlich daran, die im vorigen Jahr erschienene Enzyklika Papst Pauls VI. Sacerdotalis Caelibatus“ zu studieren.

Was er im Vergleich zwischen eigener Einsicht und päpstlicher Proklamation herausfand, war nicht mehr zur Veröffentlichung in einem katholischen Verlag geeignet. Einen neutralen Verlag für seine Untersuchung durfte er auch nicht wählen, denn ohne Imprimatur – die kirchliche Druckerlaubnis – wäre er Kirchenstrafen ausgesetzt gewesen. Als einziger Ausweg blieb die private Publikation.

„Zur Problematik des Pflichtzölibats der Weltpriester“ heißt die kürzlich bei August Pott in Witten gedruckte Schrift, von der 2500 Exemplare ausgeliefert wurden. Eine bescheidene Reklame für in allen Bistümern ausgesuchte Kleriker genügte, um den Absatz über alle Erwartungen steigen zu lassen. 4000 Interessenten haben Antweilers Zölibatsinterpretation bestellt.

Professor Antweiler wagt offen auszusprechen, was Bischöfe und Konzilstheologen sich nicht zutrauten. Die Väter des Konzils folgten getreu der Weisung Pauls VI., den Pflichtzölibat der Weltpriester aus der Diskussion zu halten, bis er selbst dazu seine Stellungnahme gegeben habe. Als die Enzyklika über den Zölibat dann im Juni vorigen Jahres erschien, herrschte peinliches Schweigen in der katholischen Kirche.

Gelegentlich muckte ein Theologe von Ansehen noch auf, so etwa Professor Küng, doch dessen Kritik war ungefährlich theologisch und ließ die Motive des Papstes zum Teil unberücksichtigt. Die einfachen Kleriker schwiegen, denn sie wissen aus Erfahrung, daß jede Zölibatskritik die Vermutung aufkommen läßt, eine heimliche Freundin habe die Argumente veranlaßt oder beeinflußt.