Bundesaußen- minister Brandt reiste zu einem überraschenden Krisengespräch mit Moskaus Botschafter in Ostberlin, Abrassimow, in die DDR. Am „Tag der deutschen Einheit“ beschloß das Bundeskabinett in einer Sondersitzung zusätzliche Hilfen für Berlin und einen Ausgleich für die durch die jüngsten DDR-Maßnahmen entstehenden Neubelastungen. Angesichts der von der Sowjetunion gebilligten DDR-Aktionen gegen die Bundesrepublik kehrte der DGB-Vorsitzende Ludwig Rosenberg vorzeitig aus Moskau zurück. In Westberlin hinderten am 17. Juni sowjetische Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten jugendliche Demonstranten am Betreten des sowjetischen Ehrenmals. Der tschechoslowakische Außenminister Jiri Hajek wurde bei seinem Blitzbesuch in Ostberlin auch von SED-Chef Ulbricht empfangen.

Reiselust – Reiseunlust

Die Regierung in Prag verfügte beträchtliche Erleichterungen für Auslandsreisen tschechoslowakischer Bürger. Eine tschechoslowakische KP-Delegation unter Parteichef Alexander Dubček kehrte „sehr zufrieden“ aus Budapest zurück. In einem Kommunique zum Abschluß des Besuchs von Bundesaußenminister Brandt in Jugoslawien wurde der Wunsch nach einer Intensivierung der Beziehungen zwischen Bonn und Belgrad ausgedrückt. Der jugoslawische Außenminister Marko Nikezic nahm die von seinem Bonner Kollegen ausgesprochene Einladung in die Bundesrepublik an.

Heimzahlung

Über Südvietnam wurden zum erstenmal zwölf nordvietnamesische Hubschrauber sowjetischer Bauart gesichtet und abgeschossen. Vor der vietnamesischen Küste wurde ein australischer Zerstörer und ein US-Patrouillenboot von amerikanischen Raketen getroffen. Bei den Pariser Vietnam-Gesprächen protestierte der US-Chefdelegierte Averell Harriman gegen die Vietcong-Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Saigon. Die deutsche Botschaft in Saigon empfahl den in Südvietnam lebenden Deutschen ein Verlassen des Landes. Die Bundesregierung wird für die Stationierung von US-Truppen in der Bundesrepublik 1968/69 Ausgleichsleistungen in Höhe von 2,9 Milliarden Mark erbringen.

Altersfragen

Die Notstandsgesetze passierten nach dem Bundestag auch den Bundesrat. In der Bundesrepublik Deutschland wurden im ersten Vierteljahr 1968 so viele Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer gestellt wie im gesamten Jahr 1967. Die FDP-Opposition beantragte die Herabsetzung des Wahlalters von 21 auf 18 Jahre.