Deutschland ist in der EWG im Augenblick der stärkste Magnet für europäische wie amerikanische Direktinvestitionen. Damit lief es Frankreich und Italien den Rang ab. Die Ursachen dieser Entwicklung wecken die Erinnerung an ein belgisches Debakel.

Amerikanische Anlieger ziehen seit Jahren den flandrischen Landesteil dem (französischsprachigen) wallonischen vor, weil die Flamen weniger Arbeitsunruhen, Demonstrationen und Streiks zu veranstalten pflegen als die nach gallischer Tradition revolutionär gesinnten Menschen der Wallonie. Genauso ist die sozialpolitische Stabilität der Bundesrepublik ein entscheidendes Argument dafür, daß die „Kapitalisten“ lieber in Deutschland investieren. Die französische Krise, so befürchtet man in Paris, wird diese Neigung zu Deutschland, Flandern und Holland noch mehren.

Daß der Einfluß amerikanischen Kapitals in Deutschland damit weiter wächst, braucht nur in der einen oder anderen Branche Unbehagen zu erregen. Doch die deutsche Wirtschaft wird damit noch kräftiger, und das vergrößert die Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der EWG-Mitgliedstaaten.

Dieser Aspekt der Vorgänge kann keine einhellige Freude auslösen; gerade Frankreich braucht die amerikanische Kapital- und Modernisierungsspritze dringend. Dennoch sollten streikfrohe Deutsche die französisch-wallonischen Erfahrungen als Warnung betrachten. hb