Die Deutsche Lufthansa AG kann ihren freien Aktionären, die rund 18 Prozent des Kapitals besitzen, 1967 zwar neue Höhenflüge in Umsatz und Beförderung melden, eine Dividende wird es aber nach den Vorstellungen des Vorstandes auch diesmal nicht geben. Der noch im letzten Jahr betonte Optimismus ist inzwischen einer bedeutend vorsichtigeren Lagebeurteilung gewichen. Vorstandsmitglied Dr. jur. Herbert Culmann bezeichnete 1967 als ein Jahr der „Kostensteigerungen und des Einnahmeverfalls“.

Die höhere Passagierzahl brachte keine volle Kompensation. Das gilt besonders für die Nordatlantikstrecke, die frühere Paradestraße aller Luftfahrtgesellschaften. Der Lufthansa brachte sie zum erstenmal nach langen Jahren Verluste. Zwar blieb die deutsche Gesellschaft in der Zahl der beförderten Personen auf dieser Route nach wie vor an vierter Stelle unter allen dort verkehrenden Luftlinien, aber der Ladefaktor – die Ausnutzung der angebotenen Plätze – sackte deutlich ab. So konnte es nicht ausbleiben, daß nach drei erfolgreichen Jahren die Aufwendungen 1967 um rund neun Millionen Mark höher waren als die Erträge aus Verkehrsleistungen. Daß es dennoch zu einem Gewinnausweis kommt, verdankt die Lufthansa allein, ihren ertragsstarken Töchtern und anderen Einnahmen außerhalb der Verkehrsleistungen.

Die Misere im Nordatlantikgeschäft, die neben der Lufthansa auch die meisten anderen Fluggesellschaften betroffen hat, ist auf die überaus harte Konkurrenz der carrier zurückzuführen. Charterflüge, Preisermäßigungen, Abwerbungen und besondere Anreize waren die Folgen. Bei der Lufthansa glaubt man auch nicht mehr recht daran, daß die günstige Ertragslage des Nordatlantikverkehrs jemals wiederkehren wird. Culmann meinte, man täte heute besser daran, das Kostengefüge der Unternehmen neu zu durchleuchten als über weitere Preissenkungen zu sprechen.

Die Lufthansa wurde 1967 noch durch einen besonderen Faktor belastet. Ihr Angebot erhöhte sich nämlich durch den Einsatz neuer Flugzeuge schneller,’ als die Nachfrage folgen konnte. So stieg die Betriebsleistung, das heißt die Produktion in Tonnenkilometern gegenüber 1966 um 14,5 Prozent. Die Nachfrage brachte es indes nur auf 12,2 Prozent. Etwa bis 1970, so rechnet man bei der Lufthansa, wird sich die Lücke wieder geschlossen haben. Denn der Aufwind im Luftverkehr hält unvermindert an. eh