Die D-Mark wird gegenwärtig von mehreren Seiten zugleich in die Zange genommen. Von Amerika angefangen über England und den Internationalen Währungsfond bis hin zu Frankreich möchte jeder, der irgendwie in währungspolitische Schwierigkeiten geraten ist, die Bundesrepublik zur Kasse bitten.

Die Vereinigten Staaten haben in der Bundesrepublik 2,4 Milliarden Mark als Devisenausgleich für die in Deutschland stationierten Truppen losgeeist, rund eine Milliarde Mark weniger, als sie ursprünglich haben wollten. England ist auf der Suche nach einem Konsolidierungskredit, mit dessen Hilfe die hohen Auslandsverpflichtungen der Bank of England abgedeckt werden können. Frankreich schließlich mußte angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Streiks und Unruhen der letzten Wochen beim Internationalen Währungsfonds um Hilfe nachsuchen. Da Dollar und Pfund als Kreditgeber weitgehend ausfallen, hat der Fonds vorwiegend D-Mark angekauft, die er Frankreich zur Verfügung stellte.

So sieht sich die Bundesrepublik als unfreiwilliger Finanzier Forderungen gegenüber, die zusammengerechnet fast vier Milliarden Mark ausmachen. Das ist zwar angesichts unserer Devisenreserven von rund dreißig Milliarden Mark noch kein Betrag, der uns vor unlösbare Probleme stellt. Ich fürchte aber, daß es bei den gegenwärtigen Forderungen nicht bleiben wird.

Weder die Schwierigkeiten der britischen Wirtschaft noch die Dollarkrise sind allein durch deutsche Unterstützung zu beheben. Was hier mit unserer Hilfe geschehen soll, ist nur die Überwindung der brennendsten Schwierigkeiten. Für die Amerikaner geht es darum, die Dollarbeträge wieder hereinzubekommen, die ihre in der Bundesrepublik stationierten Truppen ausgeben, während die Engländer noch immer versuchen, dem Pfund die Position als Leitwährung zu erhalten.

Etwas unklarer ist dagegen die Haltung Frankreichs. Sicher, die Banque de France hat im Mai nicht weniger als 300 Millionen Dollar oder 1,2 Milliarden Mark an Devisen verloren. Aber dieser Betrag ist bei einem Goldschatz von rund fünf Milliarden Dollar kein Unglück. Mit einem Verkauf von Gold hätte de Gaulle seinen Verpflichtungen leicht nachkommen können. Aber er zog es vor, seinen Goldhort nicht anzutasten und statt dessen den bisher so sehr mißachteten Währungsfonds um Hilfe zu bitten. Auf 745 Millionen Dollar belief sich der Kredit. Zusammen mit den 1,4 Milliarden Dollar, die England beim Fonds aufnahm, bedeutet das eine ganz erhebliche Anspannung der Fonds-Liquidität.

Für die Haltung Frankreichs gibt es zwei mögliche Beweggründe. Einmal könnte es sein, daß de Gaulle mit einer länger anhaltenden Periode wirtschaftlicher Schwierigkeiten rechnet, die sich insbesondere in einem negativen Außenhandelssaldo auswirken. Dann würde Frankreich auf fremde Hilfe angewisen sein. Andere Staaten werden mit Sicherheit einem Frankreich mit fünf Milliarden Dollar Gold im Rücken lieber und bereitwilliger helfen als einem armen Lanc.

Für die Bundesrepublik ist die französische Haltung allerdings weniger erfreulich. Die flüssigen Mittel des Fonds haben nicht mehr ausgereicht, die Kreditwünsche Frankreichs und Englands zu erfüllen. Er mußte sich also anderweitig die Mittel beschaffen. Und wo anders sollte er – außer der Schweiz und vielleicht Italien – sich hinwenden als an die Bundesrepublik. Zwar hat sich die erfreuliche Nebenwirkung ergeben, daß die Goldbestände der Bundesbank zum erstenmal seit langer Zeit wieder gewachsen sind, weil der Fonds Gold gegen D-Mark verkauft hat; per Saldo aber sind die deutschen Devisenreserven in der ersten, Juniwoche um 126 Millionen Mark gesunken.