Man kann mit jeder Religion, jeder Moral, jedem Brauch seinen Spott treiben, man kann den Bürgerkrieg predigen, die Brandstiftung und die Plünderung. Alles ist erlaubt, wenn man nur nicht an das rührt, was gewisse Leute obszön zu nennen belieben. Vilfredo Pareto

Bloße Vorstellung

Ein Gericht in Brügge verurteilte den flämischen Schriftsteller Hugo Claus zu vier Monaten Gefängnis und einer kräftigen Geldstrafe. In einer modernen Version seines Stückes „Marjeken van Nijmegen“, die bei den Internationalen Filmfestspielen in Knokke aufgeführt worden war, hatte er drei nackte Schauspieler die Heilige Dreieinigkeit verkörpern lassen. Das Gericht fand ihn deshalb der „Verletzung des Schamgefühls in der Öffentlichkeit“ für schuldig. Die Dreieinigkeit nicht nur nackt, sondern auch noch vor aller Augen nackt darzustellen, ist ihm nunmehr verboten. Nur, was will das Gericht dagegen machen, daß er sich die Dreieinigkeit nun einmal nackt vorgestellt hat?

Was es nicht alles gibt

Vom 14. bis 16. Juni fanden in Halle/Saale die 10. Arbeiterfestspiele statt. Der „Deutsche Fernsehfunk“ sendete anläßlich der Festspiele eine neue Folge seiner Serie „Dialoge – Ideen, Initiativen, Impulse“, in der Professor Rodenberg mit „Schrittmachern der Kulturarbeit“ diskutierte, unter anderem mit dem Schriftsteller Horst Deichfuß, dem „Leiter des Zirkels schreibender Arbeiter“ und „Betreuer der Tagebuchverfasser der Brigaden“, mit dem Maler Walter Dorsch, dem „Leiter des Zirkels malender und zeichnender Arbeiter“, sowie mit „Lehrmeister“ Karl Kretschmer, dem „Leiter des Jugendkabaretts ‚Knallgas‘ im VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld“. Thema der Unterhaltung: der Beschluß des Staatsrates zu den Aufgaben der Kultur. „Es zeugt ebenfalls von einer zielgerichteten Programmpolitik“, schreibt die Ostberliner Programmzeitschrift FF, „daß zu den 10. Arbeiterfestspielen ein Gegenwartsfernsehspiel eines Autors zur Sendung kommt, der sich vom schreibenden Arbeiter zum erfolgreichen Schriftsteller entwickelte: Horst Salomon stellt sich mit einem neuen Fernsehspiel ‚Die Zeit der schlaflosen Nächte‘ vor.“

Verlegt

Das Britische Museum sucht seit einiger Zeit verzweifelt nach einer wertvollen Erstausgabe, die auf mysteriöse Weise verschwunden ist oder doch zumindest nicht auffindbar ist. Vermißt wird „The Mint“ („Unter dem Prägestock“), ein Buch, das der legendäre T. E. Lawrence of Arabia über seine Zeit in der Royal Air Force schrieb. Die seltene Ausgabe kann nicht gefunden werden, seit sie vor einigen Wochen aus ihrem Glaskasten zum Photographieren entnommen wurde. Ein Sprecher des Museums schien nicht hoffnungslos, als er meinte, daß das Buch wahrscheinlich ganz einfach verlegt sei. „Wir suchen weiter, aber bei 120 Kilometer Bücherregalen braucht das seine Zeit!“