Von Heinz Michaels

Kathegorisch lehnte der Vorstand ab, den Wünschen seines Großaktionärs zu folgen. „Der Vorstand“, sagte Dr. Herbert Culmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa AG, auf der Bilanzpressekonferenz, „wird dem Aufsichtsrat nicht vorschlagen, den europäischen Airbus zu bestellen.“

Im Aufsichtsrat der Lufthansa repräsentieren Vertreter der Bundesregierung knapp 75 Prozent des Aktienkapitals von 400 Millionen Mark. Und die Bundesregierung, genauer gesagt das Wirtschaftsministerium, hatte just wissen lassen, daß die Lufthansa zehn europäische Airbusse kaufen und für weitere acht Flugzeuge Option nehmen solle.

Streitobjekt ist ein Flugzeug für 250 bis 300 Passagiere, das im Kurz- und Mittelstreckenverkehr bis 2000 Kilometer eingesetzt werden soll.

Vorstandssenior Professor Gerhard Höltje, der technische Leiter der Fluggesellschaft, präzisierte den Standpunkt des Vorstandes: Die Lufthansa brauche frühestens 1975 fünf Maschinen vom Typ Airbus; sie könne daher mit der Bestellung bis Anfang der siebziger Jahre warten und dann das beste Modell wählen.

Lufthansa-Sprecher Dr. Carl Wingenroth fand eine plastische Sex-and-Crime-Formulierung: „Wir werden auf ein Flugzeug genotzüchtigt“, sagte er Spiegel-Redakteuren, „von dem wir weder die technischen Details kennen noch konkrete Preisvorstellungen haben.“ Nun, auf den Schreibtischen der Lufthansa-Techniker lagen zu der Zeit dicke Papierstöße mit den Daten des geplanten Flugzeugs.

Höltje sagte allerdings nichts Neues; er wiederholte nur seine Stellungsnahme vom letzten Sommer, als der Streit zwischen Regierung und Lufthansa begann.