Die westfälischen Zementwerke, die sich unter dem bisher ungewohnten Zwang des Wettbewerbs – als Folge der Auflösung ihrer Verkaufssyndikate durch das Kartellamt – seit Monaten einen erbitterten Preiskampf liefern, haben sich eine „Aktionsgemeinschaft“ ausgedacht. Diese Gemeinschaft soll das Grundübel dieser Industrie, nämlich die Überkapazitäten, kurieren durch den gemeinsamen Aufkauf und die nachfolgende Stillegung unrentabler Betriebe.

Eine erfreuliche Selbsthilfeaktion, so könnte man meinen, obwohl man sich fragen muß, wie es gelingen soll, einen Mitbewerber zur Selbstaufgabe zu überreden, solange sich dieser noch eine Überlebenschance ausrechnet. Löblich auch, daß man – vorerst – ohne die Hilfe des Staates mit den Überkapazitäten fertig zu werden hofft. Um so bedenklicher aber ist die Ankündigung, daß man auf die Dauer ohne eine erneute Syndizierung nicht auskommen werde.

Die alte Volksweisheit, daß man aus Schaden klug wird, scheint auf die Zementindustrie nicht zuzutreffen. Die Folgen der jahrzehntelangen Kartellierung durch eine erneute Kartellierung beseitigen zu wollen, das läuft doch wohl auf den untauglichen Versuch hinaus, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. b.