Trotz des konjunkturellen Rückschlags war das Geschäftsjahr 1967 für die gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Walter Hesselbach noch etwas besser als das Vorjahr. Der Anteil der Einlagen an der Bilanzsumme ist auf 79 (Vorjahr: 68) Prozent gestiegen. Während der Anteil der Spareinlagen sich nur geringfügig auf 7,4 (7,2) Prozent und der Sichteinlagen auf 22,5 (20) Prozent der Bilanzsumme erhöhte, stieg er bei Termineinlagen auf über 49 (40,4) Prozent.

Das Institut mit seinen 85 Niederlassungen und 68 Zweigstellen erzielte im Kreditgeschäft trotz der Verminderung der Zinsspanne wesentlich höhere Erträge als im Vorjahr, da die Ausweitung des Kreditvolumens um 12 Prozent, die niedrigeren Erträge mehr als ausglich. Zur Verbesserung der Ertragslage trugen auch höhere Erträge aus dem Wertpapier- und Dienstleistungsgeschäft sowie aus Beteiligungen bei. Die Steuern stiegen um nahezu 50 Prozent auf 8,66 Millionen Mark. Der Gewinn ist mit 15 Millionen Mark auf die Summe abgestellt, die für die gleiche Dividende wie im Vorjahr benötigt wird. Angesichts der höheren Erträge muß also eine Verstärkung der stillen Reserven erfolgt sein, da die offenen Rücklagen weniger stark dotiert wurden als im Vorjahr.

Da die gesetzlich zulässigen Höchstsätze für Kredite nahezu ausgeschöpft sind, kündigte Hesselbach an, daß 20 Millionen Mark genehmigtes Kapital angefordert werden, sobald die Grenze voll erreicht sei. Den Vorwurf einer geringen Eigenkapitalbasis wehrt er mit dem Hinweis ab, ein Großteil der langfristigen Darlehen von den Gewerkschaften als Eigner stehe eigens zu diesem Zweck zur Verfügung und habe somit den Charakter vom Eigenkapital.

Den Konzentrationsplänen im Bankgewerbe steht die Bank ablehnend gegenüber. Sinnvoller erscheint dem Vorstand die Form der Kooperation. Auch die im Berichtsjahr erworbene Mehrheitsbeteiligung an dem Frankfurter Privatbankhaus Maerklin & Co. sieht Hesselbach in diesem Licht. Freilich komme es nicht ungelegen, auf diese Weise im „Intim- und Direktgeschäft“, zu dem ein großes Institut – die BfG wird häufig als „vierte Großbank“ bezeichnet – kaum Zugang findet, wirken zu können. Allerdings wurde dieses Engagement keineswegs von der Bank forciert.

Ihre Geschäftskontakte zu den Comecon-Ländern will die Bank für Gemeinwirtschaft erweitern. In diesem Zusammenhang ist auch die im Zuge einer Kapitalerhöhung erfolgte Übernahme weiterer Anteile an der seit langem mit ihr in „freundschaftlichen Beziehungen“ stehenden Wiener Bank für Arbeit und Wirtschaft AG zu sehen. Die Blickrichtung geht dabei vor allem in den südosteuropäischen Raum bke.