Allen S. Whiting: „China Grosses the Yalu – The Decision To Enter the Korean War“; The RAND Corporation/The Macmillan Company, New York, 1960; 219 Seiten.

Die Hintergründe des koreanischen Krieges, dessen Ausbruch sich in dieser Woche zum 18. Male jährt, sind immer noch umstritten. Whiting meint, daß die Sowjetunion den Krieg geplant habe, und zwar in der falschen, wenn auch damals berechtigt erscheinenden Annahme, daß Amerika nicht eingreifen würde. Seine Begründung: Die führenden Kräfte in Nordkorea standen unter sowjetischer Kontrolle. Möglicherweise sei mit dem Wirtschafts- und Kulturabkommen zwischen Moskau und Pjöngjang vom 17. März 1949 zugleich ein geheimes Militärhilfeabkommen abgeschlossen worden. Der Autor hält es für nahezu wahrscheinlich, daß Stalin während Maos Moskauer Aufenthalt (Mitte Dezember 1949 bis Anfang März 1950) den sowjetischen Angriffsplan dem chinesischen Genossen gegenüber erwähnt hat. In seinem Bericht „Russians in Korea, the Hidden Bosses“ (In: Life, Bd. 48, Nr. 25, 27. Juni 1960) behauptet Oberst Pawel Monat, ein ehemaliger polnischer Militärattache in Nordkorea (1951 bis 1955), der später nach Amerika geflohen ist, daß die nordkoreanische Armee von Russen befehligt wurde. Sowjetische Stabsoffiziere hätten ihm erzählt, Stalin persönlich habe den Befehl zum Angriff auf Südkorea gegeben. Zu dem Schluß, daß auf jeden Fall die kommunistische Seite den Krieg in Korea angefangen habe, kommen auch Jürgen Rohwer („Die kommunistische Geschichtsschreibung und der Ausbruch des koreanischen Krieges 1950“ in: Wehr-Wissenschaftliche Rundschau, Juli 1965) und Fuji Kamiya („Chosen Senso“ / „Der koreanische Krieg“, Tokio 1966; 195 Seiten). Besonders empfehlenswerte Neuerscheinung: „Chosen Senso-shi: Gendaishi 110 saihakkutsu“ („Geschichte des koreanischen Krieges: Wiederentdeckung der Zeitgeschichte“); zusammengestellt von Institute for National Problems und herausgegeben vom Verlag Korea-Review, Tokio, 1967; 397 Seiten.

I. F. Stone: „The Hidden History of the Korean War“; Monthly Review Press, New York, 1952; 364 Seiten.

Dieses höchst umstrittene Buch, dessen Erscheinen inzwischen eingestellt worden ist, stammt aus der Feder „eines Mannes der unabhängigen Linken“, so der Herausgeber über den amerikanischen Autor. Es handelt sich um den Versuch, die These, wonach Nordkorea einfach Südkorea angegriffen habe, zu widerlegen. Stone vertritt aber nicht unbedingt die andere Version, wonach Südkorea und Amerika die Angreifer gewesen seien, auch wenn sein Buch oft zur Unterstützung einer solchen These benutzt wird. Seine Ausführungen laufen allenfalls darauf hinaus, daß Syngman Rhee damals vorsätzlich Nordkorea zum Angriff provoziert habe, um seinerseits einen Vorwand zum Vormarsch gegen den Norden zu haben. Stone ist der Auffassung, „daß in Korea die Großmächte Opfer der Starrköpfigkeit ihrer Satelliten wurden, die nach einer Auseinandersetzung drängten; Washington, Moskau und Peking hatten sie schon lange vorausgesehen, doch war ihnen an deren Vermeidung sehr gelegen“. Der Autor beurteilt sein eigenes Werk so: „Ich glaube, es ist mir gelungen, die Entstehung (des Krieges), das Vorgehen MacArthurs und Dulles die Schwäche Trumans und Achesons, die Art, wie die Chinesen zur Intervention veranlaßt wurden, die Weise, in der die Waffenstillstandsverhandlungen in die Länge gezogen und die Verhandlungsthemen durch amerikanische Militärs kompliziert wurden, die den Verhandlungen von Anfang an feindselig gegenüberstanden, in einem neuen Licht zu zeigen.“ In einer vermutlich in Nordkorea gedruckten Broschüre mit dem Titel „Choson Jonjaeng un nuga iruk’yotnun’ga?“ („Wer hat den koreanischen Krieg angefangen?“; 1965; 136 Seiten) sind Daten und photokopierte Dokumente zusammengestellt, die beweisen sollen, daß der Krieg von Südkorea und Amerika zusammen vorbereitet wurde.

Heinrich Bechtoldt: „Indien oder China – Die Alternative in Asien“; Deutscher Taschenbuch-Verlag, München, 1964; Band 203; 294 Seiten.

Professor Bechtoldt, geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift „Außenpolitik“, vergleicht unter verschiedenen Aspekten die volkreichsten Staaten der Welt, Indien und China, miteinander. Die beiden „jungen Nationen aus altem Geschlecht“ befinden sich weniger im „Ost-West-Konflikt“ als im Kampf gegen die „Nord-Süd-Polarität“. Der Autor gelangt zu folgenden Gegenüberstellungen: Nation und Führungskräfte in Indien kontra Partei und Massenlenkung in China; Hindi-oder-Englisch-Kontroverse in Indien kontra Egalisierung durch Mandarin als Chinas Hochsprache; indische Genossenschaften kontra chinesische Volkskommunen; Nehrus Sozialismus als innenpolitische Prophylaxe kontra Mao-Sozialismus als Radikalismus nach außen; und so weiter. Vom weiteren Ablauf des Wettbewerbes der beiden Entwicklungsmodelle Indien und China hängt nicht nur das Verhältnis dieser beiden Länder ab, sondern er wird für die Entwicklungstendenzen im ganzen übrigen Asien und in Afrika richtungweisend sein. In seinem Aufsatz „China und die Dritte Welt“ (Moderne Welt, Heft 1, 1968; Sonderdruck Nr. 2 des Instituts für Asienkunde Hamburg) versucht Professor Wolfgang Franke‚ die selbstgewählte Rolle Chinas als Wortführer der Dritten Welt im Rückblick auf die Vergangenheit und im Lichte der Gegenwart darzustellen.

Patwant Singh: „India and the Future of Asia“; Alfred A. Knopf, Inc., New York, 1966; 264 Seiten.

Überzeugt, daß viele indische Intellektuelle seine Ansichten teilen, stellt der Autor indische Mißstände an den Pranger: die Führungskrise und die schweren Fehler der indischen Regierung in ihrer Wirtschafts- und Außenpolitik. Er beschuldigt die staatliche Planungskommission, sich mehr für Politik als für Wirtschaft zu interessieren. Nehrus Politik der Nichtgebundenheit war nach der Auffassung Singhs zwar notwendig zum nationalen Überleben, sollte aber nicht zum moralischen Prinzip erhoben werden. In Südostasien, wo ein Interessenkonflikt zwischen Indien, China und Japan bestehe, habe Indien „durch schwankende und indifferente Diplomatie“ seinen einstigen Status verloren, während China „durch Manipulation und Kampfgeist“ und Japan „durch seine Vorzüglichkeit in Wissenschaft, Finanz und Industrie“ ihre Einflußsphäre gesichert hätten. Um mit China erfolgreich konkurrieren zu können, müsse sich Indien zunächst von „überholten ökonomischen Dogmen“ befreien und militärisch aufrüsten. Die politische Stabilität Indiens könne mit einer starken Zentralregierung und durch eigene Atomwaffen gegenüber der „nuklearen Erpressung Chinas“ erreicht werden. Um China einzudämmen, sollte Indien zunächst eine Allianz mit Japan und Malaysia, später mit Thailand, den Philippinen und dann sogar mit Birma und Indonesien anstreben. Indien müsse die demokratische Alternative in Asien bilden. Zur ergänzenden Lektüre: Wilhelm von Pochhammer: „Indische Außenpolitik – einst und heute“ (Indo-Asia, Heft 2, April 1968).