Hubertus Prinz zu Löwenstein: „Towards The Further Shore“, Gollancz, London; 448 Seiten, 63 sh

Wenn ein Schriftsteller zwei Autobiographien veröffentlicht, bevor er 60 Jahre alt ist und dies obendrein in einer fremden Sprache, so beginnt man sich zu wundern, wenn er alsdann noch eine dritte Autobiographie vorlegt und man überdies vernehmen muß, daß er eine vierte Lebensbeschreibung in deutscher Sprache vorbereitet. Wer ist dieser Mensch, der so prätentiös von seiner eigenen Geschichte besessen scheint?

Prinz zu Löwenstein ist ein Faktotum, das sich in allen politischen Gassen der Zeitgeschichte betätigt hat, ohne daß ihm die Mitwelt sehr viel Beachtung geschenkt hätte. Als Sproß eines der ältesten deutschen Adelshäuser erhielt er eine feudale Erziehung. Die Mutter, früh vom Vater getrennt, war Engländerin, ohne daß ihr Sohn etwa prominente britische Charakterzüge geerbt hätte. Im Gegenteil: Er ist stets ein deutscher Idealist geblieben, der leider in Scheuklappen denkt; wenn er überzeugt war, Zeitgeschichte zu betreiben, hatte diese ihn längst beseite geschoben, weil ein intellektueller Achtundvierziger in unserem Jahrhundert zu einem Anachronismus geworden ist.

Aristokrat und Reichsbannerführer, mutiger Freiheitskämpfer gegen Hitler, an der Saar, in Spanien, Emigrant in England und in Amerika, überzeugter Katholik und strenger Kritiker des Nazi-Klerus, Anhänger Rudolf Steiners, Buddhas und der Hindulehren, berufmäßiger Gründer von Komitees gegen die Verbreiter von Seuchen gegen die intellektuelle Freiheit, Bundestagsabgeordneter und beinahe hessischer Kultusminister, „Befreier“ Helgolands und ökumenischer Heiratsvermittler zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel: zwischen diesen Polen spielte sich das Leben eines Mannes ab, der stets das Gute wollte und glaubte, dem Mittelpunkt des Weltgeschehens nahezustehen, ohne je zu merken, daß die Mitmenschen mehr sein Titel interessierte.

Ich habe ihn in den dreißiger Jahren im Hause Wickham Steeds deutsche Tiefsinnbuddeleien vortragen hören; was er nämlich tun würde, wenn er nach Hitler in Deutschland eine leitende Rolle spielte. Die Menschen haben damals ebenso gelächelt wie es der Leser immer wieder tun muß, wenn ihm Prinz Hubertus vorhält, daß er alle politischen Entwicklungen seit 1930 vorausgesehen und daher recht behalten hat. Wäre Prinz zu Löwenstein tatsächlich der Mann von aktivem Einfluß gewesen, dann würde er heute wohl nicht als Handlungsreisender für die amtlichen Kulturwaren der Bundesregierung um die Welt kreisen.

Was dem Leser bei aller Sympathie für die Anständigkeit und den guten Willen des Autors den Geschmack an dieser dritten Lebensbeschreibung verdirbt, ist seine Unsitte, mit einer unzähligen Leporelloliste von berühmten Namen aufzuwarten. Man möchte dem Verfasser dringend empfehlen, seine deutsche Autobiographie gänzlich anders anzulegen. Alex Natan