Die englische Regierung hat mit Millionenaufwand eine Fusion in der britischen Computer-Industrie durchgesetzt. Das neue Großunternehmen soll gemeinsam mit deutschen und französischen Firmen die Vorherrschaft von IBM in Europa brechen. In England hat die neue Firma, International Computer Holdings (ICH), bereits einen Anteil von fast 60 Prozent des Marktes.

Die Regierung drängte bereits seit Jahren auf die Gründung eines Computer Großunternehmens. Im Mai wurde mit der Industrial Expansion Bill eine Grundlage für die finanzielle Beteiligung des Wirtschaftsministeriums an industriellen Unternehmen geschaffen. Nun konnte die Labourregierung eine ansehnliche Belohnung für die Kooperation versprechen, und prompt einigten sich die bislang fusionsunwilligen Unternehmen.

Beteiligt sind die Firmen International Computers and Tabulators (ICT), die English Electric Computers und Plessey. Neu gegründet werden die International Computer Holdings als übergeordnete Gesellschaft, die International Computers Limited (als operating Company) und ein drittes Unternehmen (Data Communications Sciences), an dem Plessey eine Mehrheitsbeteiligung von 60 Prozent eingeräumt wird.

Die ICH hat ein Stammkapital von 40 Millionen Pfund. Die Bareinlage der Regierung beträgt 3,5 Millionen Pfund. Darüber hinaus hat sich die Regierung verpflichtet, in den nächsten vier Jahren insgesamt 12,5 Millionen Pfund für Forschung und Entwicklung zuzuschießen. Ausdrücklich ausgeschlossen wurde bei den Verhandlungen ein Mitspracherecht von Regierungsstellen bei der Festlegung der Geschäftspolitik.

Der englische Computermarkt wächst jährlich um etwa 40 Prozent. Für dieses Jahr erwartet man Neuinstallationen von 1400 Rechenanlagen, 1969 sollen es 2000 und 1970 rund 2800 werden. Man rechnet zunächst mit einem Jahresumsatz der gesamten Industrie von 200 Millionen Pfund, davon rund 100 Millionen für die ICH. In die andere Hälfte teilen sich die amerikanischen Firmen, wobei in England IBM gegenüber National Cash Register, Burroughs, Honeywell und Sperry Rand eine weitaus schwächere Position hat als auf dem Kontinent.

Der Erfolg der ICH hängt davon ab, ob es gelingen wird, die verschiedenen Techniken der Computer von ICT und General Electric in einer neuen Serie zu vereinen. Der Erfolgs-Computer von ICT, die Serie 1900, ist veraltet und wird in zwei Jahren keine Chancen mehr haben. Das System 4 von English Electric ist weitaus moderner und hat auch gute Aussichten auf dem europäischen Markt. Am zukunftsträchtigsten ist die Entwicklung von time-sharing-systems (Verbindung vieler örtlich getrennter Stellen mit einem zentralen Computer). Auf diesem Gebiet ist Plessey in England führend.

Nicht zuletzt halten die Engländer eine verstärkte Zusammenarbeit, vor allem mit deutschen Firmen, für wesentlich. Denn nur auf dem Weg einer europäischen Zusammenarbeit ließe sich der Wunschtraum, den Amerikanern etwas von ihrem 90-Prozent-Anteil am Weltmarkt abzujagen, verwirklichen. rod.