Ein Knüller auf dem Pressemarkt: Axel Springer verkaufte fünf große Zeitschriften. Kurz nach der Vorlage des Günther-Kommissionsberichtes, der zur Sicherung der Pressefreiheit eine gesetzliche Begrenzung der Marktanteile einzelner Verlage empfiehlt hat Deutschlands größter Pressekonzern freiwillig Terrain aufgegeben.

Der Springer-Konzern veräußerte

  • am vorigen Wochenende das „Neue Blatt“ (wöchentliche Auflage: 1,14 Millionen Exemplare) an den Hamburger Heinrich-Bauer-Verlag,
  • am Montag die Zeitschriften „Jasmin“ (vierzehntägig 1,5 Millionen), „Eltern“ (monatlich 1,17 Millionen), „Bravo“ (wöchentlich 778 000) und „Twen“ (monatlich 212 000), die bislang in einer Springer-Tochtergesellschaft, dem Münchner Kindler + Schiermeyer Verlag erschienen, an die Unternehmensgruppe Weipert. Kaufpreis: zwischen 70 und 80 Millionen Mark.

Der 62jährige Stuttgarter Großdrucker, Senator Hans Weitpert, dem 13 Firmen in neun Städten gehören, (2500 Beschäftigte, 120 Millionen Mark Umsatz 1967), war bisher ein Außenseiter im Pressewesen. Verkaufsverhandlungen zwischen Springer und dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr waren an Differenzen über die redaktionelle Formel von Jasmin gescheitert.

Neben den „seit vielen Jahren über das Druckhaus Tempelhof in Berlin bestehenden freundschaftlichen und geschäftlichen Verbindungen“ (so eine Verlautbarung des Hauses Springer) konnte Weitpert noch andere Trümpfe ins Feld führen: Er war bereit, nicht nur die vier Zeitschriften, sondern auch deren Personal und Konzeption zu übernehmen.