Das Aufsehen war gewaltig, als am Wochenende von einer Stunde auf die andere verlautete, es sei so gut wie perfekt, daß Axel Springer einen großen Teil seiner Publikumszeitschritten an die Verleger. Gruner, Jahr und Bucerius verkaufe. Ja, Herr. Dr. Bucerius hatte bereits von einem abgeschlossenen; Verkauf gesprochen, während seine Teilhaber noch am Verhandeln waren. Als neuer Käufer wird nun Herr Weitpert genannt.

Eines scheint festzustehen: die Redaktionen ließen sich nicht ohne weiteres verschaukeln,’ nicht verkaufen wie Galeerensklaven. Es wollte ihnen auch nicht in den Kopf, wie Handelsware plötzlich an einen Verlag verkümmelt zu sein, dessen Exponent in der „Günther-Kommission“ Dr. Bucerius noch eben gegen Axel Springer, gegen ungesunde Machtballung im Pressewesen und auch gegen eben jene Springer-Illustrierten zu Felde gezogen war, nun plötzlich ihr Brotgeber sein sollte. Das gilt ganz offenbar auch für das Team Hagen–Prinz, das etlichen Springer-Illustrierten zum Erfolg verholfen hatte. Der Vorgang lehrte, unter anderem, vor allem zweierlei:

Erstens ist es überfällig, daß im Zeitungs- und Zeitschriftenwesen durch die Gesetzgebung die Rechtsstellung der Redaktionen gegenüber den Verlagen, aber auch die Rechtsstellung des einzelnen Redakteurs, gesetzlich abgesichert wird in dem Sinne, daß der Kündigungsschutz der Redaktionsmitglieder erweitert, im Falle von Verkäufen, Fusionen und Richtungsänderungen den Redakteuren fristlose Kündigung gegen großzügige, ihre Existenz sichernde Entschädigung ermöglicht wird und daß ihnen überdies in geeigneten Formen ein Mitspracherecht über das Schicksal der Blätter zukommt, an denen sie arbeiten. Zweitens ist die Lehre aus dem Intermezzo zwischen Springer einerseits, Gruner, Jahr und Bucerius andererseits, daß nicht jeder, der Schlachtrufe gegen die Konzentration im Pressewesen schmettert, auch lupenreinen Gemüts sein muß. M.-Mr. jr.

Zu dieser Glosse von Ernst Müller-Meiningen jr. (Süddeutsche Zeitung, 25. 6. 1968) äußert sich ZEIT-Verleger Bucerius