Zwanzig Millionen Japaner sollen nach dem Plan des Großgrundbesitzers Mike Sawaada das Amazonasbecken urbar machen. Sawaada, der in Amazonien 212 000 Quadratkilometer Land besitzt (Bundesrepublik: 247 947 Quadratkilometer), lebt in Tokio. Er ist der Meinung, daß beiden Ländern mit der künstlichen Völkerwanderung geholfen werden könnte – besonders Brasilien, das seine ungeheuren Gebiete nicht aus eigener Kraft erschließen kann. Amazonien ist praktisch noch immer menschenleer.

Dieses unbesiedelte Land ist Brasiliens Sorgenkind. In einer Militärstudie heißt es, die Fruchtbarkeit und Bodenschätze dieses Vakuums werden früher oder später „Invasoren“ anlocken, gegen die es dann nicht mehr verteidigt werden könne. Deshalb stehen Besiedlung und Erschließung Amazoniens auf der Prioritätsliste der Regierung. Doch jeder ausländische Plan für Amazonien löst bei den Brasilianern Nervosität aus. So hat auch Sawaadas Vorschlag die öffentliche Meinung Brasiliens alarmiert.

Zu dieser ideologischen Verwirrung kommt noch ein rassischer Akzent. Neben dem Plan Sawaadas gibt es nämlich noch einen zweiten, der ebenfalls die Einwanderung von „einigen tausend“ Japanern nach Brasilien vorsieht, und zwar von japanischen Negermischlingen aus der amerikanischen Besatzungszeit.

Jetzt werfen die Konservativen den nationalistischen Sozialisten „jakobinische Geisteskrankheit“ vor, weil diese gegen beide Pläne zu Feld ziehen. Japanische Einwanderer haben in den vergangenen Jahrzehnten mit Fleiß und Intelligenz große Teile Brasiliens landwirtschaftlich und industriell erschlossen; sie und ihre Nachkommen sind als Staatsbürger voll eingegliedert. Was also sei gegen sie einzuwenden, da Brasilien offiziell Einwanderer braucht und sucht? J. H.