Unser Kritiker sah:

KLEINE MORDE

Von Jules Fehler

Werkstatt des Schiller-Theaters, Berlin

In deutscher Textfassung von Wolfgang Ebert wurde eine amerikanische Farce vorgestellt, die das Zwerchfell reizt, während gleichzeitig ihre Sozialkritik an die Nieren geht. Der 39jährige Autor ist einer der bekanntesten amerikanischen Karikaturisten. Als Bühnenschriftsteller weiß Jules Feiffer in „Little Murders“ mit der kritischen Überzeichnung soviel Schilderung von Zuständen und Menschen zu verbinden, daß echte Satire entstanden ist.

Eine amerikanische Dutzendfamilie von heute besitzt eine attraktive Tochter Patsy. Sie ist körperlich so stark und scheint es auch seelisch zu sein, daß ihre Gattenwahl immer wieder negativ ausläuft. Die Männer fliehen nach einer Kostprobe die überlegene Frau. Jetzt hat sich Patsy Alfred geangelt. Tatsächlich feiern die beiden Hochzeit im Familienkreise miteinander. Alfred ist nämlich ein Ausbund von Dulder. Meistens läuft er mit einem blauen Auge umher: Er läßt sich seelenruhig von den Straßenrowdys schlagen, gerät dabei in eine euphorische Starre und summt dazu. Er liebt nur seinen Photographenberuf und hat keine Angst vor Patsy.

Wider Alfreds Erwarten will die junge Frau einen starken Mann aus ihm machen. Als sie seine „Gefühle“ soweit hervorgelockt hat, daß er vor ihr niederkniet, wird Patsy von einer tödlichen Kugel getroffen, die sich durch das Wohnzimmerfenster verirrt hat. Auf den Straßen und aus den Häusern wird nämlich andauernd von irgendwem auf irgendwen geschossen, „kleine Morde“, von denen die Polizei rund 360 Stück nicht aufklären konnte.