3. die Reportage widerspricht anderem, was auch in der FAZ gestanden hat.

Es geht nicht um diesen einzelnen Fall (obwohl ein solcher Mißgriff in den "Frankfurter Heften" nicht leicht zu nehmen ist); es geht um einen kleinen Beitrag zu dem Versuch, "die Presse" dort zu treffen, wo sie verwundbar ist – kann das denn nur der einzige Otto Köhler im "Spiegel"?

1. Es ist nicht wahr, daß Bildunterschriften ein Bild beschreiben müßten. Wenn das sosein sollte – ich kenne keine Zeitung, bei der es so wäre –, dann müßten die Redaktionen weniger auf die Zufallsprodukte des Photographenglücks angewiesen sein und mehr Phantasielosigkeit bei ihren Lesern, die das Bild schließlich sehen können, voraussetzen. Moderner Journalismus verlangt oft eine "dialektische Spannung" zwischen Bild und Bildunterschrift.

2. Von Titeln mag man gar nicht mehr reden. Daß es nicht möglich ist, in vier bis zwanzig Wörtern attraktiv und darüber hinaus noch einigermaßen zutreffend den Inhalt von vierhundert bis zweitausend Worten vorwegzunehmen, weiß nach drei Wochen jeder Volontär. Wie in der Titelwahl die Tendenz einer Zeitung sich spiegeln kann, ist interessant. Mit Manipulation hat das wenig zu tun.

3. Die kindische Vorstellung von den ewig gleichen Drahtziehern vereinfacht das Leben und den Journalismus bis zur Unkenntlichkeit. Der Dr. Ebert sieht auch noch in der Aufmachung des khm-Artikels Zeichen der Manipulation. Aber (ich vermute): weder hat khm gelesen, was alles in der FAZ steht; noch wollten die verantwortlichen Redakteure mehr als einen brauchbaren (das heißt: in der Linie ihres Blattes liegenden) Titel finden; noch hatte der Layouter etwas anderes im Sinn, als eine graphisch möglichst befriedigende Seite herzustellen.

So sieht die journalistische Wirklichkeit aus. Sie ist wahrhaftig anfechtbar. Aber doch nicht aus der Perspektive des Flickschneiders, der empört feststellt, beim Schuster sei genagelt worden.

Der grundsätzliche Einwand entgeht dem Dr. Ebert denn auch: Eine so umfassende und von Meinung durchtränkte Reportage sollte nicht "khm", sondern mit vollem Namen gezeichnet sein.

Rudolf Walter Leonhardt