Augsburg Bis zum 13. Oktober, Rathaus: "Augsburger Barock"

Eine geruhsame Station in diesem hektischen Kunstsommer, den Kunstreisenden, die sich zwischen Venedig und Kassel von Biennale und documenta bei Alter Kunst erholen wollen, dringend angeraten. Augsburger Barock, mit 700 Objekten aus 14 Ländern (einschließlich der Sowjetunion) von Bruno Bushart, dem Leiter der Städtischen Kunstsammlungen, in großartiger Breite dargeboten, ist kein lokales, sondern ein europäisches Ereignis. Früher als im übrigen Deutschland wird der Barock in Augsburg heimisch, noch vor dem Dreißigjährigen Krieg, und er bewahrt von 1610 bis etwa 1720 eine erstaunliche Kontinuität, übersteht Krieg und Verarmung und bleibt stilistisch von den hoch- und spätbarocken Tendenzen im Süden und Westen Europas unangefochten: ein moderierter Barock, ohne Überschwang. Wichtigste Figur in der Architektur ist der Baumeister und Stadtplaner Elias Holl, der das gotisch verwinkelte Augsburg in eine moderne, von der Mitte her gestaltete, überschaubare Stadt umwandelt. Die beiden Bildhauer, die Anfang und Ende des Augsburger Barock markieren, sind Georg Petel und Ehrgott Bernhard Bendel. Herzstück der Ausstellung, wundervolles Material für Liebhaber, sind die in zwei Sälen präsentierten Handzeichnungen. Das Kostbarste und Glanzvollste sind die Arbeiten der Gold- und Silberschmiede, die von Augsburg nach ganz Europa exportiert wurden. Der Zusammenhang zwischen künstlerischer Blüte und wirtschaftlichen Faktoren ist evident: Seit den Tagen der Fugger war Augsburg das Zentrum des Goldhandels. Stilistisch bringt gerade die Goldschmiedekunst manieristische, preziöse, phantastische Elemente ins Spiel, denen gegenüber sich die Malerei ein wenig bieder und hausbacken, lehrhaft trocken ausnimmt. Zeckel, Manlich, Elias und Jacob Jaeger, Biller, Fesenmair, Gaap sind in Materialbehandlung und Erfindung unter den europäischen Goldschmieden des Barock ohne Vergleich.

München Bis zum 29. September, Haus der Kunst: "Große Kunstausstellung 1968"

Daß die Große Münchener in dieser Form einen Anachronismus darstellt, daß die qualifizierten Arbeiten, soweit sie vorhanden sind, in diesem beängstigenden Gemenge von Antiquiertheit und Mittelmaß untergehen, ist hinlänglich bekannt – aber niemand ist bereit, die Konsequenzen zu ziehen. Die beiden Sonderschauen 1968: eine sehr bemerkenswerte Kollektion Toni Stadler und "Kunst aus den Benelux-Ländern", die man beispielsweise auf der Biennale sehr viel besser sieht.

Weiterhin im Programm:

Essen Bis zum 22. September, Villa Hügel: ‚Marienbild in Rheinland und Westfalen"

Neben der Plastik findet man bedeutende Beispiele der Buchmalerei, darunter den Codex Egberti, ein Evangeliar mit byzantinisch beeinflußten Miniaturen; der Codex ist um 985 wahrscheinlich in Trier entstanden.