Von Adolf Metzner

Nr. 263 Elze, Josef, Köln, Germany. So lautet jetzt die letzte Zeile in jener in New York geführten, makabren Liste, in der die Namen aller Boxer verzeichnet sind, die seit 1945 den „Ringtod“ erlitten haben. Außer Elze ist noch ein zweiter Deutscher aufgeführt, der Dortmunder Heinz Bick, der 1957 an den Folgen der im Kampf erhaltenen Schläge starb. Aber schon 1930 traf den Boxer Völker in Berlin das gleiche Schicksal – ein grausames Gladiatorenschicksal im 20. Jahrhundert.

Die Zahl der Deutschen, die im Boxring getötet wurden, ist also relativ gering. Aber sicher sind es drei zuviel. Solche Zahlen muß man im statistischen Verhältnis zur Gesamtzahl der Berufsboxer oder der durchgeführten Boxkämpfe sehen. Die Zahl der deutschen Berufsboxer, die ständig im Ring beschäftigt sind, ist lächerlich klein. In den USA ist die Zahl der lizenzierten Profiboxer vier-, bei uns nur zweistellig.

Vergleiche mit der Gefährlichkeit des Automobilsports, wie sie von Fürsprechern des Boxens immer wieder angestellt werden, sind abwegig. Außer Boxen gibt es nämlich keine Sportart, bei der eine Kampfentscheidung möglich ist, die auf einer gesundheitlichen Schädigung des Gegners beruht oder gar dessen Tod herbeiführt. Boxen ist deshalb strenggenommen kein Sport, sondern eher ein Duell. Es ist der Mensur verwandt, bei der es ja auch zu scharfen Wunden, zu Körperverletzungen kommt. Die ersten Boxlehrer im England des 18. Jahrhunderts waren ursprünglich Fechtmeister gewesen. An Stelle des Degens trat bei Auseinandersetzungen und Ehrenhändeln dann die Faust: The noble art of self-defence.

Selbst Lord Byron knockte einmal einen Kommilitonen aus. Später war sogar in den Vereinigten Staaten, wo der Boxhieb doch heute zu den wirkungsvollsten Ingredienzen der „Western“ zählt, das Boxen als Schaustellung verboten, besonders lange im Staate New York. Trotzdem wurden an geheimgehaltenen Orten, einmal in einem Rothschild-Park in Frankreich, Weltmeisterschaften ausgetragen. Genauso wie ja auch trotz Mensurverbots lustig weitergefochten wurde.

Wie die Mensur eigentlich eine halbe „Versportlichung“ der ehemals wilden Gefechte der Studenten war, bei denen es nicht selten Todesfälle gegeben hatte, indem Schutzbrille, Schutzleder und so weiter eingeführt wurde, so wurde das Boxen durch die Einführung der Fausthandschuhe, die schon um 1800 in England auftauchen, aber erst sehr viel später in den USA, ein vermeintlicher Sport. Wie wir aber heute wissen, nicht zuletzt dank der Untersuchungen der Neurologen, ist Boxen in der gegenwärtigen Form nur halb ein Sport, da der Schutz durch die Handschuhe ungenügend ist und ernsthafte Schädigungen schon beinahe die Regel sind. Dabei spielt deren Gewicht, das wie bei vielen Sportgeräten nach englischer Maßeinheit, hier nach Unzen berechnet wird, keine wichtige Rolle, gleich ob die Boxhandschuhe 4 Unzen, wie bei Profikämpfen in den USA, oder 6 beziehungsweise 8 Unzen, wie bei unseren Profis oder noch mehr, wie bei den Amateuren wiegen.

Wenn jetzt nach dem Tode Jupp Elzes von Funktionären versucht wurde, die Schuld auf die neuen 8-Unzen-Handschuhe zu schieben, so ist dies einfach lächerlich. Die Schuld liegt einmal daran, daß Boxen noch kein echter Sport, sondern auch noch Ernstfall ist, und zweitens, daß beim Berufsboxen die Kämpfer fast schutzlos sind. Schon die unsinnige Distanz von 15 Runden birgt viel größere Gefahren, als sie bei den drei Runden der Amateure möglich sind, obwohl auch hier Todesfälle vorgekommen sind.