Festschrift für Heinrich Kronstein: „Das Unternehmen in der Rechtsordnung“; Verlag C. F. Müller, Karlsruhe; 392 Seiten, 45,– DM.

Wer heutzutage einen Blick in die Zeitungen wirft, der ist versucht zu glauben, daß auf der ganzen Welt von den Universitäten eine Unruhe ausstrahlt, die alle bisherigen Ordnungen in Frage stellt. Nicht genug, man möchte meinen, daß die Universitätsprofessoren unserer Zeit den an sie gestellten Anforderungen nichts weniger als alles schuldig geblieben sind. Daß dem nicht so ist, daß vielmehr die innere Wirklichkeit den äußeren Schein in beträchtlichem Maße widerlegt, zeigt die Festgabe für den nunmehr 70jährigen Professor Heinrich Kronstein, der sowohl an der Universität in Frankfurt am Main wie auch an der Georgetown University in Washington einen Lehrstuhl für internationales Wirtschaftsrecht innehat. Das Buch ist von vielen namhaften amerikanischen und deutschen Ordinarien verfaßt. Sein Inhalt kreist um die Frage des Unternehmens und knüpft an das schon im Jahre 1931 von Heinrich Kronstein geschriebene Buch „Die abhängige juristische Person“ an.

Natürlich wenden sich die Abhandlungen dieser Festgabe in erster Linie an die Juristen aller Länder, soweit sie mit der schwierigen und in der Umwandlung befindlichen Materie unseres Wirtschaftsrechtes befaßt sind. Aber darüber hinaus entsteht in diesem Buch für die Gebildeten aller Fakultäten das Bild einer Persönlichkeit, das den Streit um den Wert oder Unwert unserer Universitäten überdauern wird.

Dreierlei schält sich aus den Einzelschilderungen heraus:

1. Heinrich Kronstein beherrscht das positive Recht mehrerer Länder wie kaum ein zweiter. Aber er sieht tiefer und ist in seinem Leben zu der Überzeugung gekommen, daß es weniger auf das positive Recht ankommt als auf das hinter den vielen Einzelheiten stehende Wesen des Rechts, auf die Vorstellung einer Ordnung der Werte, die uns in den letzten Jahrzehnten zu einem nicht unerheblichen Teil verlorengegangen ist. Die einen sprechen von Naturrecht, die anderen von der Natur der Sache. Aber auf den Namen kommt es nicht an, sondern auf die Erkenntnis, daß ohne eine Wertordnung weder die Jurisprudenz noch eine andere Disziplin ihrer Aufgabe gerecht werden kann. Wer Freiheit will, muß auch Bindung wollen, sonst wird aus Freiheit Schaum und Taumel. Freiheit ist sicher das Wichtigste. Diese Tatsache schließt aber nicht den falschen Gebrauch aus, den manche von diesem hohen Wert machen.

Seit Rudolf von Jhering wissen wir, daß die als Richterin verkleidete Porzia aus dem „Kaufmann von Venedig“ im Unrecht ist, wenn sie einem Shylock sein verbrieftes Recht mit Hilfe eines formalen Tricks verweigert. In Wirklichkeit ist eben schon die Forderung eines Shylocks nichtig, weil sie unsittlich ist und gegen das Wesen des Rechts verstößt. Das ist auch heute gut zu wissen. Denn die Shylocks sind nicht ausgestorben.

2. Kronstein hat sich sein ganzes Leben zuerst um die Erkenntnis der Wirklichkeit bemüht und erst später um die Frage der Rechtsregeln, weil er sich nicht von den Realitäten entfernen und in einer Gelehrtenstube isolieren lassen wollte. Kronstein beweist, daß nicht nur der Staat das Recht setzt, sondern daß diese Aufgabe auch von vielen Gemeinschaften nationaler und internationaler Abkunft geleistet wird, so daß man heutzutage nicht mehr von einem Monopol der Rechtsetzung durch den Staat sprechen kann, will man nicht die Wirklichkeit negieren.