Bei den Pariser Vietnamgesprächen glaubte Washington vorige Woche erste Anzeichen für „eine gewisse Bewegung“ in Richtung auf ernsthafte Verhandlungen zu erkennen. Die amerikanische und die nordvietnamesische Delegation zogen sich während ihres Treffens am Mittwoch zu einer längeren Teepause zurück. Was während der vierzig Minuten zur Sprache kam, wurde der Presse zunächst nicht mitgeteilt.

Andere Anzeichen für eine positive Wendung hatten sich scheinbar schon vorher ergeben. Hanois Parteiorgan Nhan Dan gab verschleiert zu, daß nordvietnamesische Truppen im Süden stehen. Und der Seufzer des amerikanischen Delegationsführers Harriman: „Wie kann man in Hanoi einen Bombenstopp erwarten, wenn das die Verluste unserer Truppen beträchtlich erhöht?“ beantwortete Radio Hanoi mit der Feststellung: Wenn die USA ihre Aggression einstellten, „würde das nicht, wie Harriman sagt, die amerikanischen Verluste beträchtlich erhöhen“.

Der Kommunismus-Experte Victor Zorza knüpfte daran im britischen „Guardian“ die Vermutung, Nordvietnam bereite sich darauf vor, den amerikanischen Grundsatz einer militärischen Deeskalation auf Gegenseitigkeit stillschweigend anzuerkennen.

All diese Spekulationen wurden jedoch durchkreuzt, als Hanois Delegationschef Thuy am Wochenanfang erneut auf einer bedingungslosen Einstellung der US-Bombenangriffe bestand und den Vorschlag von Vizepräsident Humphrey für eine sofortige Waffenruhe in Vietnam zurückwies. Von Pressevertretern befragt, worüber man denn während der Teepause gesprochen habe, antwortete Thuy entwaffnend: „Über das Wetter, das Klima, das Essen und die Landschaft.“

Unterdessen bereitete sich Saigon auf eine eventuelle dritte Offensive des Vietcong vor. Das US-Oberkommando zog auf alle Fälle starke Infanteriekräfte zu einem Schutzring um die Hauptstadt zusammen. Die alliierten Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Gleichzeitig belegten amerikanische B-52-Bomber die Umgebung Saigons mit Bombenteppichen, um die Granat- und Raketenwerfer-Stellungen der Vietcong zu vernichten und Truppenansammlungen zu zerstreuen. Die Abwürfe erfolgten so nahe, daß in der Millionen-Stadt die Erde erzitterte.