Immer mehr wandelt sich unsere Aktienbörse

von einem soliden Anlegermarkt zu einer reinen Jobber-Börse nach amerikanischem Vorbild. Dieser Eindruck drängt sich besonders in diesen Tagen und Wochen auf. sich Kursentwicklung wird nicht mehr von den Anlegern bestimmt, die längerfristig auf ein solides Kapitalwachstum hoffen, sondern von denen, die hier und da die Chance wittern, kurzfristig einen respektablen Kursschnitt zu machen.

Die große Liquidität der inländischen Aktienkäufer und der Zustrom heißen Auslandsgeldes schaffen die ideale Voraussetzung dafür. Mit einem genügenden Kapitaleinsatz ist es nicht zu schwierig, ein Papier an der Börse „anzureißen“ und Mitläufer zu finden, die den Kurs mit in die Höhe treiben. Daß es zu Beginn dieser Woche zu einer technischen Reaktion auf die spekulativen Übersteigerungen kam, ist kein Wunder.

Nicht nur den ausländischen Käufern, die die Kursentwicklung an unserer Börse wesentlich mitbestimmen, auch den privaten Anlegern wird der Boden nach zu großen Kurssteigerungen etwas zu heiß unter den Füßen. Sie ziehen es vor, für einige Tage ein wenig kürzer zu treten. Doch ändert das an der Grundtendenz der Börse nichts. Solange die internationale Währungsunsicherheit anhält und die Kapitalbesitzer keine Alternative zu Aktienkäufen in der Bundesrepublik haben, wird es für die Aktienkurse kaum einen anderen Weg als den nach oben geben. P. W.