Axel Springer, des ewigen Trommelfeuers gegen seinen Konzern müde, verschreckt wohl auch durch den Bericht der Günther-Kommission, hat eine Frontverkürzung vorgenommen. Er verkaufte seine Zeitschriften Jasmin, Eltern, Bravo und Twen an die Stuttgarter Weitpert-Gruppe, Das Neue Blatt an den Hamburger Bauer-Verlag. Mit einem Schlage hat der Pressezar damit ein Stück seines Reiches veräußert und einen bisher branchenfremden Großdrucker zum Illustrierten-Herzog erhoben.

Springers Entschluß zum Verkauf kam unerwartet; seine Absetzbewegung hatte er erst jüngst noch durch einen Rauchvorhang von Dementis aller Entflechtungsabsichten verschleiert. Die Transaktion muß ihm schwergefallen sein. Der Mann, dem viele unterstellten, er glaube, die öffentliche Meinung „machen“ zu können, hat sich ihr schließlich gebeugt. Dafür gebührt ihm Respekt.

Die vier Zeitschriften, die am Montag auf die Weitpert-Gruppe übergingen, waren zunächst dem Verlag Gruner + Jahr angeboten worden (in dem auch die ZEIT erscheint). Eine Einigung scheiterte an grundsätzlichen Differenzen. Einerseits wollte Gerd Bucerius, einer der Partner von Gruner + Jahr, keine journalistische Formel übernehmen, die er für falsch hält; andererseits wollte Springer den Verkauf nicht über die Köpfe seiner an diese Formel gebundenen Redakteure hinweg verfügen. Dem Verkauf an Weitpert ist gewiß eine positive Seite abzugewinnen. Er stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar: nämlich zur Dezentralisierung des Marktes und zur Verteilung der Macht auf mehr Schultern.

Was Springer anbelangt, so bleibt er noch immer eine Marktmacht und eine Meinungsmacht einsamer Größe. Dem Rückzug aus dem Illustrierten-Felde müßte, wenn die Kritik wirklich verstummen soll, eine Liberalisierung im verbliebenen Zeitungsbereich folgen; die Blätter des Hauses müßten ihre politische Einfarbigkeit verlieren.

Das Interesse der Öffentlichkeit gilt hier besonders der Welt. Könnte Axel Springer sich dazu durchringen, ihr Stiftungscharakter und innere Unabhängigkeit (zurück) zugeben, so leistete er nicht bloß sich selber einen Dienst. Wir haben in Deutschland nur wenige überregionale Zeitungen von Gewicht; sie alle sind nicht allein Eigentum eines Verlegers, sondern auch Besitz der Nation. Der Verleger der ZEIT, Dr. Gerd Bucerius, hat mehrfach angekündigt, daß er für ZEIT und Volkswirt, die beide ihm gehören, eine Stiftung einrichten wird. Th. S.