Von Wolfram Siebeck

Nur wenige wird es überraschen, wenn in diesen Tagen behauptet wird, wir lebten in einer „Woche des Spielens“. Wahrscheinlich steckt ein Spielzeugfabrikant dahinter, der genau weiß, daß seine Produkte schon nach dreitägiger Spielerei kaputtgehen und erneuert werden müssen. Oder es hat sich jemand über den „Tag der Arbeit“ geärgert, ein Playboy, der nicht einsehen will, daß man dieses Übel auch noch feiern soll, und er kontert nun mit einer ganzen Woche des Spielens.

Nun gut. – Sollte demnächst jemand den „Monat des absoluten Nichtstuns“ erfinden, bitte schön, ich bin bereit; und wenn die Aktion „Mach dir ein paar schöne Jahre, geh ins Exil!“ gestartet wird – warum nicht.

Was das Spielen angeht, so gab es in meinem Leben einmal ein ganzes Jahr des Spielens. Das war die Zeit, als ich Klavierspielen lernte. Damals trug ich noch kurze Hosen und wollte kein Pianist werden, sondern Rennfahrer. Also stellte ich rechts neben den Klavierstuhl einen Luftschutzeimer voll Sand, in den steckte ich eine Suppenkelle. Das war das Getriebe. Mit dem rechten Pedal gab ich Gas und kuppelte mit dem linken: So lernte ich bei Czernys Etüden mit Zwischengas schalten.

Eine englische Brandbombe, die auf mein einsitziges Schneider-Piano fiel, beendete jedoch meine musikalische Ausbildung, bevor ich an einer Beethoven-Rallye teilnehmen konnte.

Erst viele Jahre später wurde ich wieder an jene Zeit erinnert. Das war, als ich meinen ersten Roadster verkaufte. „Na, viel Musik ist da aber nicht mehr drin“, bemerkte der zukünftige Besitzer.

Es stimmte nur halb: Die Hupe hupte im Kammerton a, und unter der Motorhaube steckten soviel PS wie ein Klavier Tasten hat: 88.