Für kein anderes Land sind in letzter Zeit so eifrig Besucher geworben worden, kein Land hat sich so angepriesen wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Soeben wurde zur Intensivierung des europäischen Reiseverkehrs nach den USA eine neue Kampagne gestartet. In Brüssel trafen sich leitende Persönlichkeiten der Reise-Industrie der Vereinigten Staaten, Regierungsbeamte und Experten des internationalen Tourismus aus Westeuropa und den USA zu einer Arbeitssitzung mit dem Thema: „Der kommende Boom: Besuchen Sie Amerika – was das für Sie bedeutet.“ Eine Discover-America-Incorporation hat sich gebildet, um das Vorhaben, Europäer nach USA zu ziehen, zu unterstützen. Wie ausdrücklich erklärt wird, „eine nicht nach Gewinn strebende Vereinigung der wichtigsten Branchen der privaten Reise-Industrie Nordamerikas“. Eine widerspruchsvolle Erklärung. Und die Boeing-Company gehört auch zu den Werbern.

Aber der Boom stellt sich nicht so schnell ein wie erhofft. Obwohl zum Beispiel die Lufthansa sich viel einfallen ließ und in mehreren Städten der Bundesrepublik mit ausgefeilten Veranstaltungen für die USA-Reise warb, obwohl das Angebot von IT- und Charterprogrammen in diesem Jahr größer, billiger und besser ist denn je und die Nachfrage nach Prospekten, die Bitte um Auskünfte lebhaft, tröpfeln die Buchungen nur langsam.

Allein der Studentenreisedienst meldet eine stürmische Zunahme der Amerika-Reisen um 38 Prozent, aber für Studenten sind die Vergünstigungen (Austauschdienst, Jugendlager, Reisezuschüsse) besonders groß. Das Geschäft der IT-Reisen läßt bisher in diesem Jahr Wünsche offen, und der Charterverkehr der Reiseunternehmen ist auch nicht gerade stürmisch gefragt. Ja, das Reiseunternehmen Neckermann, das laut Katalog schon ab April Gäste nach USA fliegen wollte, mußte einige Ketten absagen und begann die Flüge erst am 6. Juni.

Den meisten Zulauf haben die billigsten Reisen, die in der Bundesrepublik für Mitglieder von Vereinen und in- und ausländischen Charterfluggesellschaften angeboten werden, wie die vom Deutschen Verbraucherverband (665 Mark für den Transatlantikflug ohne Arrangement in USA).

Wir fragten Reisebüros und Veranstalter nach den Gründen für das flaue Geschäft der Amerikareisen. Es sind nur Mutmaßungen, die sie äußern können. Ihre Hauptgründe:

1. Politische Gründe ließen das Interesse absinken – die politischen Morde in USA, der Wahlkampf, die Prognose für einen „heißen Sommer der Rassenkonflikte“ durch die Massenmedien.

2. Die Weltausstellung in Montreal war im vorigen Jahr ein besonderer Magnet für Amerikareisende, die eine USA-Reise anschlössen. Er fehlt in diesem Jahr. Die Olympischen Spiele in Mexiko im Oktober werden vielleicht das Blatt noch wenden.