Von Mario Zampa

Zwischen Büschen und Bäumen verborgen eine alte Burgruine, Zelte, Lagerfeuer, eine Holzbühne: einmal im Jahr wird die Wandervogelromantik der Burg Waldeck im Hunsrück von Anhängern des Protest- und Folksongs durchbrochen, beim „Festival Chanson-Folklore-International“ – sehr zum Leidwesen der Nerother Wandervögel, die hier normalerweise ihre Idylle genießen.

Das Festival, keins im herkömmlichen Sinne, war seit Beginn darauf angelegt, ein kritisches Bewußtsein zu fördern. Man versteht sich als linksorientiert und war auf Störungen von rechts gefaßt, doch dieses Jahr, beim 5. Festival, kam die Unruhe aus dem eigenen Lager.

Lag das Schwergewicht der Veranstaltungen und Darbietungen bis 1966 auf der Folklore und dem Chanson, gingen die Veranstalter im vergangenen Jahr zu politisch engagiertem und gesellschaftskritischem Lied über. Nun hatte es der deutsche Protestsong seit jeher schwer, Thema und Basis zu finden, und in diesem Jahr war dazu noch die „Geschichte“ schneller: Studenten und Arbeiter, Demonstrationen und Proteste, Verletzte und Tote, Notstandsgesetze und rote Fahnen setzten neue politische Akzente in Deutschland und überholten den Protest im Lied von links.

Der gesungene Protest in Deutschland artikuliert sich meist in satirisch-ironischen Versen und in dem Kabarettchanson, oder in widerborstigen Liedern, richtet sich gegen die Gesellschaftsform, gegen Kleinbürgermief und Konsumgesellschaft. Diese Lieder reflektieren aber auch die Grenzen eigener politischer Möglichkeit und Wirkung.

Die Grenzen wurden in diesem Jahr noch nicht durchbrochen, die Osterunruhen, die Notstandsgesetze, die Unterdrückung und Diffamierung des studentischen Protests gäben die Möglichkeit einer neuen klaren Frontstellung. Dieses Jahr blieb man noch in den Grenzen der vergangenen Jahre. Und dies nahmen einige Gruppen übel.

Man verlangte eine klare Stellungnahme, rote Fahnen tauchten auf, es gab Tumulte, Degenhardt sang drei Lieder, stellte seine Gitarre weg und diskutierte über seine Lieder. Hanns Dieter Hüsch wurde in seinem Vortrag gestört, er brach ab. In einem Interview mit dem Südwestfunk äußerte Hüsch sein Bedauern darüber, daß die linken Gruppen sich kaum auf einer nüchternen und sachlichen Ebene auseinandersetzen könnten, der Künstler werde von solchen Gruppen nur als Mittel benutzt, damit sie zur Provokation kämen.