Je näher der 1. Juli rückt, an dem die Mehrwertsteuer von zehn auf elf Prozent erhöht wird, desto stiller werden jene Gruppen, die noch vor wenigen Wochen spürbare Preiserhöhungen vorausgesagt haben. Handelt es sich hier um die Ruhe vor einer Verbraucherpreiswelle, oder sind jene Propheten selbst unsicher geworden? In ein paar Tagen oder Wochen werden wir mehr wissen.

Als zum Jahresbeginn der Wechsel des Umsatzsteuersystems zu einiger Verwirrung führte, haben nicht nur die Konsumenten gute und schlechte Erfahrungen gesammelt. Es zeigte sich sehr schnell, daß sich insbesondere einige Dienstleistungsunternehmer, etwa im Gastgewerbe, verrechnet hatten. Sie hatten gehofft, gleichzeitig auch die Preise zu ihren Gunsten korrigieren zu können. Der Schuß ging sehr oft nach hinten los. Diesmal dürften sie vorsichtiger kalkulieren. Gebranntes Kind scheut Feuer.

Die meisten Verbraucher halten sich bei ihren Einkäufen immer noch mehr zurück, als es vor der Rezession beobachtet wurde. Auch sie tragen zur Preisstabilität bei. Es ist also noch keineswegs sicher, daß die Verbraucherpreise sofort spürbar steigen werden. Rein rechnerisch handelt es sich ohnehin um allenfalls 0,7 Prozent, wenn die Steuererhöhung voll weitergegeben wird.

Wahrscheinlich rechnen die meisten Anbieter von Waren und Leistungen damit, daß sich solche Kostensteigerungen in einigen Monaten leichter abwälzen lassen. Die Verbraucher werden gut tun, auch dann noch wachsam zu sein. ks.