Sehr geehrte Herren

In Ihrer Ausgabe vom 25. Juni beklagt M-Mr. Jr., daß auch die Firma Gruner + Jahr auf den von Springer angebotenen Verlag Kindler Schiermeyer (mit Jasmin, Eltern, Bravo und Twen) geboten habe – dies, obwohl ich in der Pressekommission für eine Beschränkung der großen Zeitungskonzerne eingetreten bin.

Die Pressekommission hat mit Zweidrittelmehrheit sehr präzise Ansichten über das in der Presse Zulässige und Unzulässige ausgesprochen. Sie hat gesagt: Bis 20 Prozent Anteil am Markt der Zeitungen oder der Zeitschriften ist ein Verleger unbedenklich. Über 20 Prozent kann er gefährlich sein, über 40 Prozent Marktanteil beeinträchtigt er die Pressefreiheit. Dieser Beschluß hat nicht Gesetzeskraft, er ist für mich aber absolut verbindlich. Ich würde mich eher von meinen Partnern trennen als zulassen, daß er verletzt würde.

Die Firma Gruner Jahr hat aber nur 7,7 Prozent Marktanteil. Nach dem Erwerb von Kindler + Schiermeyer hätte sie 13,9 Prozent gehabt, also erst zwei Drittel des von der Pressekommission für unbedenklich erklärten Satzes. Während der Verhandlungen bestand die Gefahr, daß Mitbewerber den Kindler – Schiermeyer Verlag erwerben würden. Der Bauer-Verlag hat (nach Erwerb des "Neuen Blattes") schon 16,6 Prozent im Vergleich zu unseren 7,7 Prozent. Hätte Bauer (was er anstrebte) den Kindler + Schiermeyer Verlag gekauft, hätte er insgesamt 22,8 Prozent gehabt – also mehr, als die Pressekommission für unbedenklich erklärt, und bedenklich für seine Konkurrenten.

Ihr starkes und angesehenes Haus hat am Münchner Platz mit "Süddeutscher Zeitung" und "Abendzeitung" eine gewichtige Stellung. Trotzdem plant es noch die Herausgabe einer Sonntagszeitung. Unter dem begabten Journalisten Werner Friedmann und Ihrem ebenso fähigen Verlagsleiter Generaldirektor Dürrmeier wird diese Zeitung auch Erfolg haben. Ihr Haus hat dann am Münchner Markt einen höchst bedeutenden Vorsprung. Auch Herr Dürrmeier war Mitglied der Pressekommission. Halten Sie ihn für nicht "lupenreinen Gemütes"?

Ihr stets sehr ergebener Gerd Eucerius