Axel Springer bleibt der größte, auch wenn er künftig auf den Duft von Jasmin verzichtet. Aber seine Kritiker werden sich mit der Frontbegradigung, die der Großverleger vorgenommen hat, um aus der Schußlinie zu kommen, schwerlich zufriedengeben. Sie werden weiterschießen.

Springer hat einen großen Teil seiner Publikumszeitschriften verkauft: die Zeitschriften für junge Leute, twen und Bravo die Zeitschriften für das Leben zu zweit, mit und ohne Kinder, Eltern und Jasmin, und schließlich das Blättchen mit den schönen Märchen über das Leben des Schahs und der anderen noch verbliebenen gekrönten Häupter nebst deren Frauen, Das Neue Blatt. Er verkaufte unter Druck.

Da waren die Angriffe der Studenten, die Steinwürfe gegen sein Haus; da wurden Zeitungen seines Verlages angezündet; ein Gericht bescheinigte ihm indirekt, daß seine Blätter die Wahrheit verfälschen; da erschienen Analysen, die mit der Berichterstattung seiner Zeitungen kritisch ins Gericht gingen. All dies ging nicht spurlos an ihm vorüber. Beschwichtigen und Verharmlosen half nicht mehr, als der Bericht der Günther-Kommission der Bundesregierung übergeben wurde. Springer, Mitglied dieser vom Innenministerium eingesetzten Kommission, war im vergangenen Spätsommer ausgeschieden, wohl ahnend, daß die Mehrheit der Mitglieder (Verleger, Journalisten und Männer der Wirtschaft) zu einem Votum kommen würden, das ihm große Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Und so geschah es denn auch.

In dem Bericht der Kommission heißt es: „Die Konzentration im deutschen Pressewesen hat auf vielen Gebieten einen hohen Grad erreicht. Sie wird weiter fortschreiten, und es muß befürchtet werden, daß sie ein Maß erreicht, das den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Struktur der deutschen Presse zuwiderläuft.

Die Pressekommission hält es daher für erforderlich, die Höchstgrenze der Marktanteile von Presseunternehmen wie folgt festzulegen:

a) Die Gefährdung der Pressefreiheit, wie sie in einer Vielfalt von Tages- und Sonntagszeitungen ihren Ausdruck findet, beginnt bei einem Marktanteil eines Presseunternehmens von 20 Prozent an der Gesamtauflage dieser Presseorgane. Die unmittelbare Beeinträchtigung der Pressefreiheit ist nach Auffassung der Pressekommission bei einem Marktanteil von 40 Prozent an Tages- und Sonntagszeitungen erreicht.

b) Die Gefährdung der Pressefreiheit, wie sie in einer Vielfalt von Publikumszeitschriften ihren Ausdruck findet, beginnt bei einem Marktanteil eines Presseunternehmens von 20 Prozent an der Gesamtauflage dieser Presseerzeugnisse. Die unmittelbare Beeinträchtigung der Pressefreiheit ist nach Auffassung der Pressekommission bei einem Marktanteil von 40 Prozent an Publikumszeitschriften erreicht.