Einzelne Aufwiegler machen wenig Eindruck auf Gemüter, in denen nicht schon der Samen der Unzufriedenheit keimt; und also sind im ganzen nur mißhandelte und mißbrauchte Menschen zum Aufruhr geneigt, oder leicht dazu zu vermögen. Adolph von Knigge

Mittelmäßig

Am 26. Juni 1968 ist in Hamburg zum dreizehntenmal der Deutsche Jugendbuch-Preis verkündet worden. Wie immer war es der Arbeitskreis für Jugendschrifttum, München, der vom Bundesminister für Familie und Jugend mit der Auswahl der Bücher und mit der Verleihung der Preise beauftragt wurde. Die vom Arbeitskreis eingesetzte Jury hat folgende Bücher mit dem Deutschen Jugendbuch-Preis ’68 ausgezeichnet. Für das Bilderbuch: Katrin Brandt „Die Wichtelmänner“, nach den Gebrüdern Grimm (Atlantis Verlag, Zürich). Für das Kinderbuch: Pauline Clarke „Die Zwölf vom Dachboden“, aus dem Englischen von Sybil Gräfin Schönfeldt und Maria Torris (Cecilie Dressler Verlag, Berlin). Für das Jugendbuch: Maia Rodman „Der Sohn des Torero“, aus dem Amerikanischen von Adolf Himmel (Herold Verlag, Stuttgart). Für das Sachbuch: Erich Herbert Heimann „...und unter uns die Erde“ (Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart). Eine Prämie: Josef Guggenmos „Was denkt die Maus am Donnerstag“ (Paulus Verlag, Recklinghausen). Kennern des Bilderbuch-Jahrgangs wird auffallen, daß trotz der spektakulär eigenwilligen, schönen und richtungweisenden Bilderbücher eines prämiiert worden ist, dessen Text dem vorigen Jahrhundert entstammt und dessen Bilder von unauffälliger Mittelmäßigkeit sind. Die Hauptjury des Preises ist auch als Korrektiv gedacht und kann Fehlentscheidungen einer Einzeljury abbiegen, sie kann jedoch kein Buch wählen, das ihr die Einzeljury nicht auf ihrer Auswahlliste dargeboten hat. Da dies mittelmäßige Bilderbuch auch von der Hauptjury nicht durch eins der drei oder vier tatsächlich außergewöhnlich guten Bilderbücher ersetzt worden ist, kann man daraus schließen, daß keins davon auf der Juryliste gestanden hat. Und das bedeutet: Eine Jury hat versagt, und das in einem der reichsten Bilderbuch-Jahre des Jahrzehnts.

Scheibchenweise

Der Verband Deutscher Studentenschaften hat den Kultusministern, Rektoren und Professoren vorgeschlagen, in einzelnen Versuchen Modelle der Hochschulreform auszuprobieren und so zu überprüfbaren Daten über bisher nicht realisierte Vorschläge zu kommen. Die Studenten sind bescheiden geworden: Ihre Reformvorstellungen, seit langem bekannt und überall flink zu den Akten gelegt, haben die Hochschulen ebenso wenig beeindruckt wie die Mini-Revolution des letzten Jahres. Was bleibt, ist die Politik der ganz kleinen Schritte: hier ein bißchen Mitbestimmung, dort ein Scheibchen Rationalisierung, wieder anderswo ein Institutsrätlein. Und über allem die Hoffnung, die Kultusminister möchten die Versuche wohlwollend betrachten und die Fakultäten sie großzügig dulden. Die Scheibchentaktik, Grundübel der deutschen Hochschulreform, hat sich nun also auch bei den Studenten breitgemacht.