Rom, im Juli

Einundzwanzig Vertreter des Katholizismus werden zu der von Anfang bis Mitte Juli in Uppsala stattfindenden vierten Vollversammlung des Weltkirchenrates nach Schweden reisen. Das ist eine Rekordziffer. An der letzten Generalversammlung in Neu-Delhi hatten nur fünf Prälaten als Beobachter teilgenommen. Die ökumenische Bewegung hat in der katholischen Kirche seit dem 11. Vatikanischen Konzil große Fortschritte gemacht. Das wirkt sich nun auch in Uppsala aus.

Der holländische Bischof Willebrands, der für den deutschen Kurienkardinal Augustin Bea das Sekretariat für die Einheit der Christen leitet, meinte unlängst, daß die katholische Kirche zwar nicht die Absicht habe, dem Weltrat der Kirchen beizutreten und sich mit ihren rund 500 Millionen Gläubigen den protestantischen Konfessionen gleichzusetzen; sie wolle aber doch die Chance nutzen, die ihr eine Sonderkommission des Weltkirchenrates bietet, in der auch Nichtmitglieder Sitz und Stimme haben können. Mit Billigung des Vatikans werden daher katholische Theologen an der Arbeit dieser Kommission teilnehmen. Das wird in Rom als ein bedeutender Schritt auf dem Wege zur Einheit aller Christen gewertet.

Hauptthema wird in Uppsala, wie auch beim Vatikanischen Konzil, die Erneuerung der Kirchen sein. Andere Diskussionen beschäftigen sich mit der Modernen Theologie, von manchen auch "Theologie der Revolution" genannt, mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Dritter Welt, der Ehe, dem Nationalismus und dem Atheismus. Die Vollversammlung, die keine bindenden Entscheidungen für ihre Mitgliedskirchen – 232 protestantische Denominationen und orthodoxe Kirchen – fällen kann, wird mit einem Appell an die Welt enden.

Zum Problem der Teilnahme an revolutionären Bewegungen hat der Papst erst dieser Tage Stellung genommen. Man habe heute Theorien der Gewalttätigkeit formuliert, so erklärte Paul VI., man habe versucht, sie zu rechtfertigen und zu preisen. "Wir halten es für unsere Pflicht, alle Menschen vor der Illusion zu warnen, daß der gewaltsame Umsturz einer unbefriedigenden Ordnung schon für sich eine bessere Ordnung garantiert und, vor allem, daß Gewalttätigkeit auch wenn sie von einem ehrlichen Aufstand gegen Ungerechtigkeit diktiert wird, automatisch Gerechtigkeit sichert. Die Erfahrung lehrt uns, daß in den meisten Fällen das genaue Gegeneil eintritt." Azio de Franciscis