Die Kursbilanz der deutschen Aktien schneidet im I. Halbjahr 1968 mit einem Plus von rund 15 Prozent ab. Und noch immer herrscht in der deutschen Börse eine sogenannte Traum-Konstellation: anhaltend große Liquidität der Wirtschaft, wachsende Gewinnaussichten in der Industrie und eine Währung, die im Ausland eine erhebliche Anziehungskraft besitzt.

Dennoch ist längst nicht allen Börsianern angesichts der jüngsten Kurssteigerungen so recht wohl. In letzter Zeit gehen diese zu einem wesentlichen Teil auf das Konto ausländischer Investoren, die deutsche Aktien keineswegs als Daueranlage ansehen, sondern bereit sind, sie abzustoßen, sobald sie glauben, daß sich mit ihnen keine Gewinne mehr erzielen lassen. Kein Wunder, wenn die Masse der deutschen Anleger vorsichtig disponiert und mehr als bisher dazu neigen, Kursgewinne zu realisieren.

Das starke Engagement des Auslandes an der deutschen Börse kommt deutlich in den Kurssteigerungen der international bekannten Stancardwerte zum Ausdruck. Dagegen werden die sogenannten Regional- und Spezialpapiere weniger beachtet, obwohl ihre Kurse – zumindest teilweise – heute als zurückgeblieben gelten müssen. Einige Börsianer erwarten deshalb eine Belebung der Nebenmärkte, falls sich die Aufvärtsbewegung bei den Standardaktien der Chemie-, Elektro- und Banken-Gruppe fortsetzen sollte. Angesichts der auf den Nebenmärkten üblicherweise herrschenden Marktenge kann es dann leicht zu Überhitzungserscheinungen kommen, die die Angst vor einem kräftigen Rückschlag wachsen lassen wird. K. W.