Es ist wieder still geworden um die scheinbar schon in greifbare Nähe gerückte Gründung der Ruhrkohlen AG. Die Bereitschaft der Zechengesellschaften, den Kompromiß für die lange anvisierte Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus zu unterstützen, ist nicht sehr groß.

Bundeswirtschaftsminister Schiller war es nach mühseligen Verhandlungen am 17. Juni gelungen, die Interessen der Zecheneigentümer und der Führung der IG Bergbau und Energie unter einen Hut zu bringen.

Die Ruhrkohlen AG soll eine Holding-Gesellschaft sein, die sieben juristisch selbständige Zechengruppen kontrollieren wird. Das Aktienkapital der neuen AG soll zunächst 300 Millionen Mark betragen. Sowohl die sieben Untergesellschaften als auch die Holding werden nach dem Montan-Mitbestimmungsgesetz einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat und je einen Arbeitsdirektor haben.

Im Ausgleich zu den Mitbestimmungsforderungen der Gewerkschaft haben die Zecheneigentümer ihren Wunsch durchgesetzt, die Kraftwerke und die Wohnungswirtschaft nicht in die geplante Einheitsgesellschaft einzubringen. Allerdings müssen sich die Kraftwerkseigentümer zu 20jährigen Lieferverträgen mit der Ruhrkohlen AG verpflichten.

Der Kaufpreis, den die Einheitsgesellschaft an die bisherigen Zecheneigentümer zu zahlen haben wird, beträgt 2,1 Milliarden Mark, ebenfalls zu übernehmende Schulden 1,2 Milliarden. Zwei Drittel dieser Summe sollen vom Bund, das restliche Drittel vom Land Nordrhein-Westfalen verbürgt werden. Die Altgesellschaften sollen sich verpflichten, die Verkaufserlöse dafür einzusetzen, neue Arbeitsplätze im Ruhrgebiet zu schaffen.

Dieser Bonner Verhandlungskompromiß hat bis zur Stunde noch kein konkretes "Ja" aus den Reihen des Bergbaus erhalten; es haben noch nicht einmal alle Verhandlungsführer, die an Schillers Runde teilgenommen haben, vorbehaltlos zugestimmt. Vor allem zeigt sich das größte Bergbauunternehmen des Reviers, die Gelsenkirchener Bergwerks-AG wenig geneigt, der Einheitsgesellschaft beizutreten.

Unterdessen hat die IG Bergbau verlauten lassen, daß sie der Einheitsgesellschaft Ruhrkohle nur zustimmen werde, wenn mindestens 80 Prozent der Ruhrförderung unter dem neuen Dach vereint werden. nmn.