Contracta braucht Geld. Rudolf Ratzel, Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der Stuttgarter Contracta Gesellschaft für Auslandsbesitz & Co. KG, hat daraus nie einen Hehl gemacht. Er hat zwar in zahlreichen großen Urbanisationsgebieten, vor allem in Spanien, Österreich und dem Tessin, schon mehr als sechstausend Bungalows und Appartements verkauft. Er verfügt auch keineswegs über größere Mengen zum Verkauf stehender leerer Häuser, sondern bringt es mit seiner geschickten Verkaufstaktik fertig, die meisten Häuser gleich nach Bauschluß an den Mann zu bringen. Er fungierte sogar in letzter Zeit zunehmend als Agent für andere Bauträger.

Aber Contracta mußte im vergangenen Jahr einen heftigen Rezessions-Tiefschlag einstecken. Die Konjunkturflaute führte zu spektakulären Pleiten einiger Ferienhausfirmen. Verschreckte Contracta-Kunden stornierten zahlreiche bereits abgeschlossene Verträge.

Die Folge: Um sich halbwegs über Wasser zu halten, nahm Ratzel Aktien der liechtensteinischen Contracta-Holding Euroland AG in sein Portefeuille, und zwar bot er den Euroland-Aktionären Bezahlung von Contracta-Objekten mit Euroland-Aktien an. Auf diese Weise sammelte sich in Ratzels Depot von den bei Euroland als Aktienkapital eingezahlten 20 Millionen Schweizer Franken annähernd die Hälfte.

Aktien sind jedoch bekanntlich kein Bargeld. Mit einem vollen Depot allein kann Ratzel nicht operieren. Dabei hat er Pläne, die Millionen verschlingen: Die zahlreichen Bungalows, die im Ausland ständig gebaut werden, müssen eine Woche nach Fertigstellung bezahlt werden. Der Contracta-Boß will aber auch das Deutschlandgeschäft, von dem er sich einen baldigen Boom verspricht, stark forcieren.

Bisher verzichtete Contracta in ihren Prospekten auf die Anpreisung ihrer Häuser als Rendite-Objekte. Nun will Ratzel aber möglichst bald eine große Vermietungsorganisation ins Leben rufen. Einen Mitgeschäftsführer hat er zu diesem Zweck bereits eingestellt. Veranschlagte Aufbaukosten: rund fünf Millionen Mark.

Überdies will Rudolf Ratzel den Contracta-Kunden eine langfristige Finanzierung anbieten, und nicht nur, wie bisher, über vier Jahre. Bald soll man für ein Contracta-Zweitheim bis zu 25 Jahre lang zahlen dürfen.

Alle diese Maßnahmen und Pläne setzen eine starke Finanzkraft des Bauträgers Contracta voraus. Das Kapital muß ja zunächst einmal vorgestreckt werden.