Die Vollversammlung des Otto-Suhr-Instituts an der Freien Universität Berlin beschloß, dem Institut eine neue Satzung zu geben. Die Angehörigen des Instituts, vom Lehrstuhlinhaber bis zum technischen Personal, folgten damit einer Aufforderung des Berliner (politischen) Senats, die Hochschule möchte doch selber etwas zu ihrer Erneuerung tun. Sie verhinderten damit auch, daß an ihrem Institut der Betrieb durch zornige Studenten lahmgelegt wurde.

Oberster Grundsatz der neuen Konzeption, nach der das Institut künftig mit sich selber umgehen wollte, war: keine Gruppe soll allein die anderen überstimmen können. Das galt nicht nur für Professoren, sondern auch für Studenten...

Daraus leitete sich alles andere ganz selbstverständlich ab: Auflösung der Hierarchie durch die Gliederung des Instituts in vom Forschungsgegenstand bestimmte Facheinheiten – Einrichtung eines Institutsrates aus gewählten Vertretern aller am Institut Beschäftigten – paritätische Besetzung aller Entscheidungsgremien – Öffentlichkeit aller Verhandlungen. Manche nennen das das Ende der Ordinarienuniversität. Es läßt sich auch positiv ausdrücken: Man könnte Modernisierung der Hochschule dazu sagen oder Demokratisierung.

Sowohl diejenigen, denen die neue Verfassung zu weit ging, wie die, denen sie nicht weit genug ging, waren bereit, es mit ihr wenigstens einmal zu versuchen. Sie beugten sich dem Beschluß der Mehrheit. Und man hörte von keinem Ordinarius des Otto-Suhr-Instituts, er wolle nun schleunigst Berlin verlassen und einem Ruf nach Erlangen folgen.

Ein Institut kann sich aber nicht so einfach eine neue Satzung geben. Das müssen ihm erst andere, in diesem Fall der akademische Senat, erlauben. Der akademische Senat der Freien Universität Berlin aber beschloß, es dem Otto-Suhr-Institut vorläufig nicht zu erlauben.

Im Institut hatte man nämlich gedacht, man könne vielleicht ein Modell abgeben für eine umfassendere Hochschulreform; man könne vielleicht sogar vorführen, daß es geht mit den Vorstellungen, die manche von einem modernen Universitätsinstitut haben.

Eben das aber fürchtet der Senat offenbar: daß anderen Instituten billig sein könne, was dem Otto-Suhr-Institut recht ist, daß da x Leute auf den Gedanken kommen könnten, nun auch im eigenen Haus aufzuräumen, wenn es im Modellfall gut ausgeht. Der akademische Senat stand unter ziemlichem Druck: "Wehret den Anfängen" raunte man ihm zu, "Ausverkauf der Wissenschaft" hieß es. Und darum sagte der akademische Senat "nein".