Seit dem Ausbruch der französischen Unruhen und Streiks Mitte Mai hat die Banque de France fast 1,5 Milliarden Dollar für die Verteidigung des Franc aufwenden müssen. Die Währung, die nach dem Willen des Generals in Paris zum Angriff auf die wichtigste Währung der westlichen Welt, den Dollar, angetreten war, mußte die Hilfe des Internationaleen Währungsfonds in Anspruch nehmen, den Paris der Abhängigkeit von Washington geziehen hatte.

Dennoch, die Möglichkeiten, die sich hier boten – Frankreich nutzte seine Kreditmöglichkeiten von knapp 0,9 Milliarden Dollar voll aus – reichten nicht. In der letzten Woche hat die französische Notenbank zum erstenmal ihren geheiligten Goldschatz angreifen müssen, den Kriegsschatz, den de Gaulle für seinen Kampf gegen den Dollar angehäuft hatte. Paris verkaufte für 218 Millionen Dollar Gold an die Bundesrepublik, die Schweiz und Italien, an die Deutsche Bundesbank allein für 162 Millionen Dollar.

Mit diesen Verkäufen und Krediten hat die französische Regierung das Mißtrauen der Welt gegen den Franc zunächst einmal beseitigt. Nach dem Wahlsieg de Gaulles dürfte der Franc wohl auch in der nächsten Zukunft vor Abwertungsspekulationen sicher sein. Aber noch kann niemand die Folgen der wirtschaftlichen und sozialen Zugeständnisse an die Arbeitnehmer genau übersehen. (Vgl. "Was kostet die Revolution", Seite 19.)

Auch der Internationale Währungsfonds hat sich D-Mark durch Goldverkäufe an die Bundesrepublik verschafft. Dadurch sind die deutschen Devisenreserven in der letzten Juni-Woche um 2,13 Milliarden Mark auf 33,16 Milliarden angewachsen. Sie erreichten damit ihren bisher höchsten Stand. Allein der Goldbestand wuchs um 1,1 Milliarden auf 16,99 Milliarden Mark. Seit Februar 1965 – als die Bundesbank für 17,38 Milliarden Mark Gold in ihren Tresoren hatte – war dies der erste spürbare Goldzufluß.

Dennoch beträgt heute der Anteil des Goldes an unseren Devisenreserven erst wieder 51,2 Prozent, während es im Februar 1965 – dem bisherigen Höchststand – immerhin rund 62 Prozent waren. Andere Länder wie beispielsweise die Schweiz halten dagegen weit über 90 Prozent ihrer Devisenreserven in Gold. Auch die Banque de France wies vor dem jetzigen Aderlaß einen Goldanteil von 86 Prozent aus.

Von allen wichtigen Industrieländern des Westens haben die Devisenreserven der Bundesrepublik mit Abstand den niedrigsten Goldanteil. Und die Deutsche Bundesbank, die bereits aus den vergangenen Devisenausgleichsabkommen mit Amerika und England 2.2 Milliarden Mark Schatzanweisungen dieser Länder in ihren Tresoren liegen hat, muß nach dem vor kurzem abgeschlossenen neuen Abkommen noch einmal für zwei Milliarden Mark amerikanische Staatspapiere übernehmen. Zusammen mit den 4,3 Milliarden Mark, die sie an internationale Einrichtungen wie den Weltwährungsfonds gegeben hat, liegt dann bereits gut ein Viertel der deutschen Devisenreserven fest.

Es gibt keine Garantie dafür, daß der Bundesrepublik eine Situation erspart bleibt, wie sie jetzt in Frankreich fast über Nacht eingetreten ist. Die Lehre, die wir aus den französischen Erfahrungen ziehen müssen, heißt: den Goldanteil an unseren Devisenreserven zu erhöhen. Denn wenn die D-Mark einmal ins Gerede kommen sollte wie der von Wirtschaftskrisen und Abwertungsgerüchten umwitterte Franc, wird kaum jemand bereit sein, Devisen für D-Mark herzugeben. Gold ist dann das Zahlungsmittel, das international zählt. Wolfgang Müller-Haeseler