Von Alexander Rost

Kommodore des New York Yacht Club war von 1919 bis 1921 J. Pierpont Morgan der Jüngere und von 1933 bis 1935 dessen Sohn Junius S. Morgan. Und von dessen Großvater J. Pierpont Morgan dem Älteren, jenem Bankier, der (1899) als erster europäische Anleihen in den amerikanischen Geldmarkt schleuste, Eisenbahn- und Schiffahrtslinien kontrollierte und einen kolossalen Stahltrust zusammenschmiedete, von diesem Mann, der um Millionen-Kleingeld nicht verlegen war, stammt der kühl kalkulierte Ausspruch: "Wenn du erst fragen mußt, was eine Rennjacht kostet, dann kannst du dir keine leisten."

Und was den New York Yacht Club angeht, so sei nur erwähnt, daß sein Vorstand vor drei oder vier Jahren barsch gegen einige Mitglieder Front machen mußte. Da hatten ein paar Leute vorgeschlagen, für den Ballastkiel einer Rennjacht statt Blei (spezifisches Gewicht 11,3) doch Gold (spezifisches Gewicht 19,3) zu verwenden, schlichtes pures Gold. Es gibt keinen anderen Klub auf der Welt, in dem man auf solche Idee kommen könnte.

Sie ist so fabelhaft, wie es die Zigaretten-, Whisky-, Pullover-Reklamen sind, auf deren Farbphotos sich auf blauem Meer unter blauem Himmel eine blauäugige Blondine lässig gegen den Großmast lehnt ("Phallos-Symbol", kommentiert der nach Unterschwelligkeit fahndende, psycho-analysierende Betrachter des Rundholzes). Und wie dem auch sei: Jachten geistern als Traumfahrzeuge durch den Geschäftsteil der Gazetten. In ihre Segel fällt der Wind der großen, weiten Public-Relations-Welt. Kein Sportwagen hält mit, die zweistrahlige Privat-Jet-Maschine wird zur Mücke, die achtzehn-zimmergeräumige Villa schrumpft zur Hütte – vergleicht man sie mit der stolzen Segeljacht, dem Nonplusultra der konsumtalentierten Luxus-Society.

Doch zur Sache: Eine der Jachten, die jetzt im Transatlantik-Rennen liegt, die "Palawan", führt Thomas J. Watson jr., der Präsident der IBM, jenes Unternehmens, das mehr wert ist als alle deutschen Aktiengesellschaften zusammen. Eine andere steuert Dieter Monheim, ein sportbesessener Schokoladenfabrikant. In Dallas, Texas, wo mehr Multimillionäre siedeln als sonst in einem Ort auf der Welt, ist der Skipper der "Bay Bea", Patrick E. Haggerty, zu Hause. Norbert Lorck-Schierning gehört der Flensburger Rum-Dynastie an. Und so, Name für Name, wird das Vorurteil vom Krösus-Jachtsport offenbar bestätigt.

Ozeantüchtige Segeljachten können Hunderttausende von Mark kosten, zuweilen weit mehr als eine Million. Aber da segeln, zum Beispiel, die "Hamburg VII" und die "Wappen von Bremen"; und das Kommando auf ihnen haben durchaus nicht Millionäre. Es sind Jachten, für deren Bau man Kaperzüge durch die Kontore hanseatischer Kaufherren unternommen hat, so wie Albert Ballin, der Hapag-Generaldirektor, der um die Jahrhundertwende und bis zum Ersten Weltkrieg der "Hamburger Nummer eins" war, einmal 368 000 Goldmark sammelte, damit man den "Hamburgischen Verein Seefahrt" gründen konnte. Für 235 000 Mark wurde die britische Jacht "Rainbow" gekauft und in (selbstverständlich) "Hamburg" umgetauft.

Im Transatlantik-Rennen 1905 belegte sie den zweiten Platz. Diese erste "Hamburg", ein 49,06 Meter langer Zweimastschoner, hatte zwanzig Mann Besatzung. Es waren "bezahlte Hände", Berufsseeleute, die unter einem professionellen Skipper für klingende Prämie "dem Teufel ein Ohr absegelten". Für den zweiten Platz erhielt jeder "Hamburg"-Matrose hundert Goldmark Preisgeld, dazu dreißig Goldmark Startgeld und fünfzig Goldmark Gratifikation. Ein halbes Jahrhundert später traf ich einen Mann, der damals auf der "Hamburg" gefahren war, mit Regattaprämien die Kosten der Seefahrtschule bestritten hatte und schließlich in Kiel-Holtenau als Lotse Dienst tat. "Das war schon ein Geld", schwärmte er noch, "ein Ei kostete damals anderthalb Pfennig, ein Kasten Bier zwei Mark und zwanzig."