Düsseldorf

Das Debakel war vollkommen. Als der nordrhein-westfälische Kultusminister Fritz Holthoff in der vergangenen Woche das Ergebnis der Abstimmungen über die neu zu errichtenden Hauptschulen im Lande bekanntgab, war die Wahlniederlage offenkundig: Der katholischen Elternschaft Deutschlands war es trotz eines aufwendigen Wahlfeldzuges, durch eindringliche Bischofsworte unterstützt, nicht gelungen, die Mehrheit der katholischen Gläubigen für eine konfessionelle Hauptschule zu erwärmen. Nur 71 von 1307 Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen (52 Prozent Katholiken) werden vom Schuljahresbeginn im August an als Bekenntnisschulen geführt werden.

Vor Tische freilich las man’s anders. So erklärte die katholische Elternschaft der Diözese Münster noch am 19. Juni 1968: "Die bisher vorliegenden Zahlen widerlegen eindeutig die Ergebnisse von Meinungsbefragungen und Äußerungen bestimmter politischer Kreise, denen zufolge nur ein sehr geringes Interesse an der katholischen Schule bestehe." Gewiß, in einigen kleinen ländlichen Gemeinden beteiligten sich bis zu 80 Prozent der katholischen Eltern am Abstimmungsverfahren, in den anonymeren Klein-, Mittel- und Großstädten dagegen blieben die meisten katholischen Bürger zu Hause. Zum Beispiel im schwarzen Paderborn. Hier sind 75 Prozent der Bevölkerung katholisch. Aber nur 664 von 2045 katholischen Kindern werden im kommenden Schuljahr eine Bekenntnis-Hauptschule besuchen. Da sich nur ein Drittel der Eltern an der Abstimmung beteiligte, werden die anderen fünf Hauptschulen Gemeinschaftsschulen sein.

Wilfried Heimes, Geschäftsführer der katholischen Elternschaft in Nordrhein-Westfalen, versucht den für seine Organisation peinlichen Offenbarungseid mit allen Mitteln zu beschönigen. Er nennt drei Gründe für das schlechte Abschneiden der katholischen Schule. Das Abstimmungsverfahren sei zu kompliziert gewesen, benachteilige die Bekenntnisschule und verletze damit den Gleichheitsgrundsatz aufs schwerste. Dann habe eine "bewußte Propagandawelle" die katholische Schule immer wieder als unzeitgemäß, rückständig und leistungsschwach "diffamiert". Schließlich seien "durch gezielte Irreführung katholischer Eltern über den christlichen Charakter der Gemeinschaftsschule durch SPD-Beamte und Politiker viele Eltern nicht für die katholische Schule eingetreten".

Das Düsseldorfer Kultusministerium weist die Vorwürfe entschieden zurück. Von den Eltern, die eine institutionalisierte katholische Erziehung ihrer Kinder wünschten, würde nicht mehr verlangt als zur Beantragung eines Reisepasses oder eines Führerscheins vonnöten sei. Das Verfahren verlief in drei Stufen: Zunächst mußten von mindestens achtzig Eltern eines Schulbezirks schriftliche Anträge auf Errichtung einer Bekenntnis-Hauptschule vorliegen. Wurde die erforderliche Mindestzahl erreicht, kam es zur Abstimmung.

Zu der angeblichen Irreführung der Eltern über den christlichen Charakter der Gemeinschaftsschulen nahm die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland Stellung. Sie erklärte: "Die Gemeinschaftsschule als weltliche Schule zu diffamieren, ist ein Unrecht! Schließlich sieht ja die Verfassung neben den Gemeinschaftsschulen auf christlicher Grundlage auch noch die ausgesprochene Weltanschauungsschule vor."

Die katholische Elternschaft will die Schlappe freilich nicht auf sich sitzen lassen. Geschäftsführer Heimes kündigte eine Klage gegen die neuen nordrhein-westfälischen Schulgesetze vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe an. Der frühere bayerische Kultusminister Maunz habe in einem Gutachten festgestellt, die Düsseldorfer Schulgesetze verletzten den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes und verstießen gegen die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen. F. R.