Wie man in die Medien hineinruft, so schallt es heraus. Mithin darf Horst Krügers Wehklage nicht ohne Echo verhallen, denn sein Klagelied eines nicht nur zuviel, sondern auch zu gut informierten Zeitgenossen zerreißt mir das Herz – mir wie sicher manchem von der Zunft, zu der letztendlich auch der Panelegiker aus Frankfurt zu zählen ist, da ihm viele Dampfradio-Sendungen von Ambition und Qualität zu verdanken sind, die es wert waren, daß unsereins sich ihretwegenein paar Nachtprogrammstunden um die Ohren schlug. Gleichviel: Wer im geteilten Haus sitzt, darf auch mit Steinen werfen.

Aber Horst Krüger wirft – in bestem Hippie-Stil – mit Blumen. In seinem Reihenabwurf sind sogar ein paar Rosen zu finden, deren Dornen mit dem Sticheleffekt der Ironie den Getroffenen weniger ritzen als reizen – kaum zum Widerspruch, mehr zur Danksagung, vor allem aber zu Trost, Rat und Warnung.

Trost zuerst, einfacher, doppelter, dreifacher Trost:

Es wird besser, weil es weniger wird, obwohl weniger auch mehr bedeuten kann. Dennoch können sich die Trost- und Ratlosen à la Krüger gesagt sein lassen, daß sich die Informationsprogramme des Fernsehens reduzieren und konzentrieren. Bei diesem Schrumpfungsprozeß wird der Krimi-Freitag magazinfrei werden (im Ersten Kanal), und "Panorama", "Monitor" sowie die beiden "Reports" ziehen sich zurück auf den Montag. Indessen bastelt das Zweite Programm an einem Mittwoch-Magazin, für das bereits ein milder Moderator, jedoch noch kein griffiger Name gefunden ist.

Auch mit der täglichen Abendinformation wird alles ganz anders. (Ob zugleich besser, mögen Horst Krüger und alle reizüberfluteten, informationsbesessenen, fernsehsüchtigen Zeitgenossen seiner Blutgruppe angesichts künftiger Zeichen und Wunder selber entscheiden.) Die "Tagesschau" des Deutschen Fernsehens, institutionell etabliert wie der Wetterbericht der BBC, bleibt, wo, was und wie sie ist. Das ZDF-Pendant "heute" will hingegen heraus aus dem 19.30-Uhr-Getto und hinaus in den freien Raum von 19.45 bis 20.15 Uhr. Diese Sendung wagt sich so mit der besseren Hälfte in die konkurrierende Nachbarschaft der "Tagesschau". Das kann ins Auge gehen – denn das deutsche Volk, geeint in seinen Fernsehsitten, geschockt durch die Qual der Wahl, könnte sich eventuell selbst durch eine Strip-tease-Schau mit Mainzelmännchen nicht abhalten lassen, um 20.00 Uhr sein Augenmerk auf die vertraute Hamburger Anschlagtafel zu richten. Nur den Sehlöwen, den nimmermüden, nimmersatten Krügers und Genossen, bleibt der Skrupel nicht erspart, ob sie nicht doch, festgefahren und verankert im Konventionskanal, beim ZDF etwas Ungewöhnliches versäumen, etwa ein Minister-Statement ohne Flugzeug-Gangway, während bei der ARD alles wie gewöhnlich abläuft – oder umgekehrt.

Aber noch besser, in Horst Krügers Sicht: noch schlimmer wird es vorerst nicht, denn es besteht zur Zeit keine Chance, daß die Informationsprogramme so reichhaltig und so anziehend werden, wie sie sein könnten, im guten Glauben an die alte Newsweek-Formel: "A well informed people is the best guarantee for freedom and security." Nein, im Zuge der Mifri-Programmplanung ist nicht zu erwarten, in Krüger-Perspektive: nicht zu befürchten, daß dem deutschen Fernsehzuschauer eine mit allen Künsten des elektronischen Journalismus zubereitete Abendschau geboten wird. Was damit auf Horst Krüger und seine wie meine Kumpanei "zukäme", wenn es zu einem solchen Mitternachts-Mini-Magazin käme, wie es in vielen Fernsehländern als begehrtes Betthupferl dargeboten wird, das könnte sich in der Tat für die einen als willkommenes Informationselement, für die anderen als bedenklicher Irritationsfaktor erweisen.

Indessen: es besteht kein Grund zur Panik, denn solch ein Programm steht weiterhin nur auf dem Papier, und das wird in Schubladen verwahrt.