Die Reeder merkten auf, als Verkehrsminister Leber emphatisch ausrief: "Wer wagt, auch als Unternehmer, hat Anspruch darauf, daß ihm vom Staat und der Allgemeinheit geholfen wird." Anlaß war der Stapellauf des ersten deutschen Vollcontainerschiffes, das letzte Woche von den Helgen der Bremer Vulcan vom Stapel lief. Frau Erna Leber hatte den Neubau gerade auf den Namen "Weser-Expreß" getauft.

Für den Norddeutschen Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie begann damit ein neues Zeitalter. Insgesamt vier Vollcontainerschiffe sind von beiden Reedereien in Auftrag gegeben worden. Zwei für den NDL beim Bremer Vulcan, zwei von der Hapag bei Blohm + Voß in Hamburg. Der erste Stapellauf an der Elbe findet in der nächsten Woche statt.

Beide Reedereien führen bereits seit Jahren an Bord einzelner Schiffe Container, und sie haben auch bereits sogenannte Semi-Containerschiffe in Fahrt, doch erst mit diesen vier Spezialschiffen werden die beiden deutschen Großreedereien in den exklusiven Klub der Containerkonsortien eintreten, wenn auch mit weit kleineren Einheiten als ihre angloamerikanischen Konkurrenten. Die deutschen Schiffe sind nur für 650 bis 728 Container ausgelegt. Die Konkurrenz befördert über 1000 Container mit einem Schiff.

Bei der Taufe der gemeinsam entworfenen Schiffe galt es wieder einmal, die Hamburg-Bremen-Rivalität geschickt zu umschiffen. Weder Hapag-Namen noch solche mit der Tradition des NDL oder Bremens sollten die Schiffe schmücken. Die Lösung fand ein Außenstehender: Es wird eine "Expreß"-Serie: Weser-, Elbe-, Mosel- und Alster-Expreß. Hapag-Vorstandsmitglied Dr. Necker: "Glücklich bin ich über die Verbindung mit Expreß nicht. Aber ich habe keinen besseren Vorschlag."

Einträchtig nahmen an dem Stapellauf auch die Vorstände des Bremer Vulcan und von Blohm + Voß teil. Diesmal sind sie Kooperationspartner – bei anderen zukunftsweisenden Projekten allerdings Konkurrenten: Beide Werften haben einen Liberty-Ersatzfrachter auf dem Programm, der die langsam schrottreif werdenden Weltkrieg-II-Transporter ersetzen soll. Ein großer Markt, um den sich auch Japaner und Engländer bemühen.

Am erfolgreichsten waren bisher die Japaner, die 97 Liberty-Ersatzschiffe in Auftrag gaben. Der Vulcan buchte 17 Schiffe und die Engländer sechs, während Blohm + Voß lediglich drei Kunden für seinen "pioneer" fand.

Bei der Übergabe des ersten "pioneers" an einen indischen Auftraggeber mußte Van Riet von Blohm + Voß eingestehen: "Unser Typ hat noch nicht zum Erfolg geführt. Aus der Erfahrung der zurückliegenden Jahre muß ich sagen, wir haben uns das Leben zu schwer gemacht und zuviele Ideen in ein Objekt konzentriert."