Von Roshan Dhunjibhoy

Vor ungefähr einem Jahr hatte die Kolchose die Frauen ihrer 550 Familien aufgefordert, "emanzipierte Ehemänner", falls solche überhaupt gefunden werden könnten, öffentlich zu ermutigen und anzuspornen. Seitdem vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendeine stolze Ehefrau das Photo ihres im Kochen und Putzen hilfreichen Ehemannes ans Brett hängt. In Albanien wird die Emanzipation der Frau – und des Mannes – sehr ernst genommen.

"Frauen waren bereits versklavt, bevor es überhaupt die ersten Sklaven in der Geschichte gab" – wenn man bedenkt, daß dies Enver Hodscha, der Erste Sekretär der Albanischen Arbeiterpartei gesagt hat, dann kann man vielleicht etwas von der Bedeutung der sozialen Revolution, die Albanien erschüttert, verstehen. Hodscha, das verrät schon sein Name, stammt aus einer Familie islamischer Gelehrter und Priester. Doch war es eine von ihm entfachte weltliche Revolution, die entscheidend das Schicksal Albaniens – und seiner Frauen vor allem – veränderte.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren, eine Folge der 527 Jahre ottomanischer Herrschaft, siebzig Prozent der albanischen Bevölkerung Moslems. Die strengen Familiengesetze der Sharia beherrschten fast das ganze Land, wohingegen die Stämme der nördlichen Gebirge einmütig dem ungeschriebenen Gesetz gehorchten: dem Kanon des Lek Dukagjini. Dieser Kanon definiert die Frau als "eine Tragetasche", was bedeuten soll, daß sie geschaffen wurde, Kinder zu gebären und hart auf dem Felde und im Haushalt zu arbeiten.

Ein Kontakt mit der Außenwelt war ihr fast nie erlaubt. Sie durfte nicht im Wohnzimmer sitzen; ja, die Männer gingen soweit, ihre Kaffeetassen selber abzuwachsen – in dem verzweifelten Versuch, das Privileg des Kaffeetrinkens nur für sich in Anspruch zu nehmen. Die Frau mußte "ihrem Manne, der sie gekauft hatte, untertänig sein", sie durfte in der Öffentlichkeit nicht mit ihm sprechen; ihr Mann oder ihr Vater konnte sie schlagen, im Keller einkerkern oder "zurück zur Vernunft" aushungern. Die Braut schenkte ihrem Bräutigam zur Hochzeitsnacht eine Patrone, auf daß er sie umbringen könne, wenn sie jemals untreu oder ständig bei Diebereien erwischt werden sollte.

Nach dem Partisanenkampf

Einige Moslemstämme pflegten sich von ihren untreuen Frauen scheiden zu lassen; aber die katholischen Sippen zogen es vor, ihre Frauen zu töten, da ihnen die Kirche sonst nicht die Erlaubnis erteilt hätte, wieder zu heiraten. Bis zum Zweiten Weltkrieg drückte sich die Einstellung der Albanier zu Frauen kurz und bündig in dem Sprichwort aus: "Eine Frau muß härter arbeiten als ein Esel; denn der frißt Gras, während eine Frau Brot ißt."