Einer der großen deutschen Konzerngründer, Friedrich Flick, wird am 10. Juli 85 Jahre alt. Er ist der Senior der aktiven Industriellen, dessen Leben durch Arbeit und Erfolg gekennzeichnet ist. Nach dem Krieg durch ein amerikanisches Militärtribunal wohl weniger aus sachlichen als vielmehr politischen Motiven zu sieben Jahren Haft verurteilt, wurde er vorzeitig 1950 im 68. Lebensjahr entlassen.

Aus den Überresten seines ehemaligen Konzerns – durch Verluste in den früheren deutschen Ostgebieten und in der heutigen DDR sowie durch Demontagen in den drei westlichen Zonen büßte er drei Viertel seines ehemaligen Besitzes ein – zimmerte Flick eine neue Unternehmensgruppe, deren Aufbau er aus den Erlösen bestritt, die ihm aus den alliierten Verkaufsauflagen einzelner Betriebe zuflössen. Kern seiner neuen unternehmerischen Tätigkeit wurde die schon 1937 gegründete Friedrich Flick KG, die als Holdingsgesellschaft fungiert.

Das Schwergewicht der neuen Unternehmensgruppe liegt heute in der Beteiligung bei Daimler-Benz (Fahrzeugbau), Metallhüttenwerk Lübeck und Buderus (Metallindustrie) und Feldmühle und Dynamit Nobel (Chemie- und Papierindustrie).

Die letzten fünf Jahre seines unternehmerischen Wirkens waren von zwei Ereignissen gekennzeichnet: Die Neuordnung der Führungsspitze und die Beilegung des Familienstreites im Hause Flick. Vor zweieinhalb Jahren nahm Flick drei persönlich haftende geschäftsführende Gesellschafter in die Friedrich Flick KG auf: Dr. Otto A. Friedrich, Dr. Wolfgang Pohle und Eberhard von Brauchitsch. Damit wollte Flick die Kontinuität in der Geschäftsführung sichern.

Der Prozeß seines ältesten Sohnes Otto Ernst gegen ihn endete mit einem Vergleich. Sein Sohn schied gegen eine Barabfindung endgültig aus der Friedrich Flick KG aus; dagegen blieben seine drei Kinder mit zusammen etwa 30 Prozent an der Holding beteiligt. Zwei Söhne können im Alter von 28 Jahren in die Geschäftsführung eintreten.

Friedrich Flick, dem mehrere Ehrendoktorhüte verliehen wurden und der zahlreiche andere Ehrungen erfuhr, hat sich umfangreichen gemeinnützigen Aufgaben aller Art gewidmet. Zu seinem achtzigsten Geburtstag spendete er drei Millionen Mark für ein Altenwohnheim des Diakoniewerkes Kaiserswerth. Aus Anlaß seines diesjährigen Geburtstages sollen zum Ausbau dieser Anlage weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden. Außerdem errichtete er vor fünf Jahren die Friedrich Flick Förderungsstiftung, die besondere Leistungen auf den Gebieten der Technik, Forschung und Wirtschaftswissenschaften honorieren soll. D. Z.