Zuletzt wurde ihm die Ludwig-Thoma-Medaille verliehen, für "moderne Tendenzen im Recht". Es war keine Auszeichnung, die Aufsehen erregt, die Glanz verleiht und stelzerne Würde. Es wäre sonst auch keine Auszeichnung für Fritz Bauer gewesen. Seine Bescheidenheit, seine äußere Unscheinbarkeit lassen sich nicht dekorieren, auch nicht mit ehrenden Worten, nun, nach seinem plötzlichen Tod, kurz vor seinem 65. Geburtstag.

Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, den Zorn zuweilen, doch stets Eifer zu humanem Handeln und gerechtem Denken antrieben bis zuletzt, hat auf seine eigene Weise deutsche Rechtsgeschichte nach den Jahren des Unrechts gemacht: im Gerichtssaal, wenn es um die Mörder von Auschwitz ging, am Vortragspult, wenn er für einen Strafvollzug aus Menschlichkeit plädierte, hinter seinem Schreibtisch, wenn er über ein zeitgerechtes Strafrecht nachsann. Er war ein Jurist, darin seinem verstorbenen Hamburger Kollegen Ernst Buchholz verwandt, wie er in kein Klischee paßt: ein "General" von liberalem Zuschnitt, ein Demokrat.

Der Ankläger als Aufklärer – danach strebte Fritz Bauer. Und viele junge Staatsanwälte wissen, daß er längst an diesem Ziel angekommen war. D. St.