K. H. Berlin, im Juli

Mit dem spektakulären Verkauf der Publikumszeitschriften werden die Veränderungen im Hause Springer nicht zu Ende sein. Als nächsten Schritt wird der Konzern am heftigst umkämpften Teil der Front, in Berlin, eine Begradigung vornehmen. Die "Berliner Morgenpost" soll bereits zum Verkauf angeboten worden sein, ein potenter und genehmer Interessent soll sich aber noch nicht gefunden haben – hört man aus der Kochstraße. Mit dem Verkauf der "Morgenpost" könnte sich das Haus Springer Konkurrenz von rechts schaffen. Denn seine Redakteure führten den journalistischen Krieg gegen Kommunisten und Studenten stets noch um einige Nuancen härter als die Schwesterblätter.

Auf "Linkskurs" ist dagegen die BZ gegangen. Die Boulevardzeitung entdeckt plötzlich einige berechtigte Forderungen der Studenten und kommentiert die jüngsten DDR-Schikanen differenzierter als etwa die Berliner "Bild"-Ausgabe. Meinungsschattierungen innerhalb des Konzerns sind das Ziel.

Was Springer mit dem vielen Geld aus den Verkäufen macht, ist kein Rätsel mehr. Er investiert es in seine Lieblingskinder "Bild" und "Welt". Das Boulevardblatt soll farbige Bilder und Anzeigen bekommen, die Abonnementszeitung einen farbigeren und gehaltvolleren Informationsteil. Für Technik und Personal soll sogar noch einiges mehr aufgewandt werden als der Erlös der Transaktionen. Das Ziel: Expansion auf dem Zeitungsmarkt.

Den "Welt"-Plänen stehen zunächst noch personelle Schwierigkeiten entgegen. Bislang ist es nicht gelungen, angesehene Journalisten als Kommentatoren für das Blatt zu gewinnen. Der Ressortchef Hertz-Eichenrode und andere umstrittene Mitarbeiter haben das Feld inzwischen räumen müssen. Die Spekulationen um eine neue Besetzung des Chefredakteurpostens gehen weiter.