Die ZEIT hat in Nr. 21 vom 24. Mai 1968 unter der Überschrift "Dagegen" das Verhalten der Opponenten kritisiert, die gegen die Zusammenarbeit ihrer Firma Telefonbau und Normalzeit mit der AEG Protest eingelegt haben. Dazu wird uns aus Kreisen der Gesellschaft geschrieben:

Die 2,3 Prozent Opponenten sind Herr Friedrich Sperl, der in 25jähriger Tätigkeit als Leiter der Geschäftsführung das Unternehmen T & N in die Reihe der hundert größten Gesellschaften in der Bundesrepublik geführt hat, sowie Dr. Otto Schniewind, der in den Jahren 1939 bis 1941 diese Firma vor dem totalen Zugriff der nazistischen Reichspost hat bewahren können und nach dem Zusammenbruch 20 Jahre als Vorsitzender der Gesellschafter-Vertretung gewirkt hat.

Aus solcher langjährigen Tätigkeit könnte geschlossen werden, daß diese beiden Gesellschafter trotz ihrer geringen Kapitalbeteiligung von dem Geschäft der Firma etwas verstehen. Beide sind der Meinung, daß unter keinem Gesichtspunkt die Auslieferung an die AEG verantwortet werden kann; auch ein anderer Gesellschafter aus der Geschäftsführung, mit wesentlich größerer Kapitalbeteiligung, teilt diese Auffassung.

Eins der Personalgesellschaft wesentlichen Merkmale ist der Grundsatz, daß ein neuer Gesellschafter nur mit Zustimmung aller Gesellschafter aufgenommen werden kann. In der T & N-Satzung ist sogar wörtlich festgelegt, daß die Veräußerung von Gesellschaftsanteilen an Dritte unzulässig ist. Alle Gesellschafter haben sich durch Unterschrift zu dieser Verpflichtung gegenüber ihren Mitgesellschaftern bekannt. Wieso soll ein Vertragsbruch ohne triftigen Grund möglich sein? Etwa weil einige Gesellschafter in private Geldnöte geraten sind?

Und wenn nun dieses Vertragswerk mit der AEG in Kraft gesetzt wird, obgleich vorher das satzungsgemäße Schiedsgericht in dieser Sache angerufen worden ist, muß dann nicht der Eindruck erweckt werden, daß das Schiedsgericht entscheiden mag, was es will? Der kürzere Prozeß wird durch Überfahren der Minderheit mit der Dampfwalze gemacht, und als ob es unabhängige und selbständige denkende Schiedsrichter nicht gäbe.

Und zu der Alternativlösung, dem Zusammengehen mit einer Firma in einem anderen EWG-Land: Auch eine solche Entscheidung könnte nur von allen Gesellschaftern einstimmig gefaßt werden. Aber sie würde, abgesehen von dem um 10 Prozent höheren Preisangebot der Firma T & N, den Zutritt zu den vollen technischen Errungenschaften auf dem Gebiet der Fernmeldetechnik erbringen, zu denen man in Deutschland, auch bei T & N, erst zu einem Teil hat vordringen können, und auf welchem Gebiet bei der AEG die im Artikel erwähnte Lücke in jeder Hinsicht besteht.

Könnte man nicht auf den Gedanken kommen, daß Satzungen, die in solch wichtigen Fragen Einstimmigkeit vorsehen, auch nutzbringend sein können?

Die Lauterkeit der Motive der gegen den Anschluß der T & N an die AEG opponierenden Gesellschafter ist nie in Frage gestellt worden, wohl aber die Zweckmäßigkeit einer Satzung, die in wichtigen Fragen unbedingt Einstimmigkeit verlangt. Eine solche Bestimmung kann hingenommen werden, so lange es sich um einige wenige Gesellschafter handelt. Sind es aber, wie im Falle T & N, bereits 55, so wird die Einstimmigkeit zu einer Belastung, weil ein einziger Gesellschafter zunächst einmal in der Lage ist, wichtige Vorhaben zu blockieren. Das ist der Grund für unsere Behauptung, daß Satzungen, die einstimmige Beschlüsse verlangen, unpraktikabel sind KW